Wirtschaft : Rechnungswesen komplett umkrempeln

JOACHIM HOFER

Spätestens 2002 läuft alles in der neuen Währung / Umstellung zu Beginn eines GeschäftsjahresVON JOACHIM HOFER BERLIN.Zu den größten Herausforderungen für Unternehmen im Zuge der Einführung des Euro gehört die Umstellung des betrieblichen Rechnungswesens.Spätestens bis zum 1.Januar 2002 muß das gesamte Rechnungswesen einer Firma auf die neue Währung umgestellt sein.Ein von der Bundesregierung eingebrachter Gesetzentwurf ermöglicht Unternehmen aber, für die Geschäftsjahre in der Übergangsphase von 1999 bis 2001 den Jahresabschluß wahlweise in D-Mark oder Euro zu erstellen.Jeder einzelne Betrieb muß in den kommenden Monaten deshalb entscheiden: Wann soll auf Euro umgestellt werden - und was muß dafür getan werden? Viele international agierende Unternehmen werden schon im kommenden Jahr auf Euro umstellen.Der Elektrokonzern Siemens beispielsweise verlangt von seinen Zulieferern, frühzeitig zum Euro zu wechseln - und löst damit vermutlich eine gewaltige Sogwirkung aus.Sinnvoll sei auf jeden Fall die Umstellung des Euro zu Beginn, nicht im Laufe eines Wirtschaftsjahres, so Guido Kreitz, Euro-Experte des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT).Gleichzeitig müßten dann auch die für den Zahlungsverkehr verwendeten Bankkonten in Euro geführt werden. Die Umstellung auf die Gemeinschaftswährung bedeute jedoch nicht, daß nun keine Rechnungen in D-Mark mehr angenommen werden könnten - hierzu bedarf es nur der Umrechnung der D-Mark-Beträge auf Euro.Gleiches gilt nach Ansicht von Kreitz auch für Ausgangsrechnungen, die je nach Wunsch des Kunden in der einen oder anderen Währung ausgestellt werden können. Etwas komplizierter gestaltet sich die Umstellung der Lohnbuchhaltung.Es sei noch ungeklärt, so der Rechtsanwalt, ob Arbeitnehmer auf die Auszahlung ihrer Löhne in D-Mark bestehen könnten.Damit noch nicht genug: Was passiert mit Freibeträgen auf der Lohnsteuer-Karte? Wie verändern sich die Beitragsbemessungsgrenzen für Sozialversicherungsbeiträge? "Die Leute sind an glatte Beträge gewöhnt", sagt Kreitz, etwa beim Pauschalbetrag für Werbungskosten oder beim Kindergeld.Falls der Gesetzgeber dies auf Punkt und Komma umrechne, würden krumme Beträge herauskommen.Bei der Auf- und Abrundung könnten zudem gewaltige Beträge auflaufen - dem einen zum Vor-, dem anderen zum Nachteil.Hier sei eine Lösung noch nicht gefunden.Der DIHT-Experte empfiehlt Firmen, bei der Lohnabrechnung den Auszahlungsbetrag auf Wunsch in Euro anzugeben und/oder auszuzahlen.Brutto-Lohnsumme und Summe der Arbeitgeber-Beiträge könnten dann mit ihren Euro-Gegenwerten in die Euro-Buchführung übernommen werden. Was die Bilanzen anbetrifft, ist das Gesetz für die Unternehmer bislang noch eindeutig: "Der Jahresabschluß ist in deutscher Sprache und in Deutscher Mark aufzustellen", heißt es in Paragraph 244 HGB.Laut Kreitz wird allerdings bald der Euro in den Satz eingefügt, so daß die Unternehmer bis zum 31.12.2001 die Wahl haben werden.Spätestens dann aber muß das Wirtschaftsjahr mit einer D-Mark-Jahresschlußbilanz abgeschlossen werden.Zu Beginn des nächsten Wirtschaftsjahres werden die D-Mark-Bilanzwerte durch den offiziellen Umrechnungskurs dividiert.Mit diesen Euro-Werten beginnt das Unternehmen dann die Buchführung des neuen Jahres.Der Grundsatz: "Die Zahlen ändern sich, die Werte bleiben." Bilanzrelationen und Erfolg werden nicht beeinflußt, so Kreitz, und anders als in der DM-Eröffnungsbilanz zum 1.Juli 1990 in den neuen Ländern erfolge keine Neubewertung der Wirtschaftsgüter, das heißt, es gebe keine Euro-Eröffnungsbilanz. Der erste Euro-Jahresabschluß ist frühestens für das Geschäftsjahr 1.2.1998 bis 31.1.1999 möglich.Um die Daten vergleichen zu können, werden dazu die alten (D-Mark-)Zahlen in Euro umgerechnet."Wenn im Lagebericht dargestellt wird, wie sich Umsatz, Ertrag und Eigenkapital in den letzten Jahren entwickelt haben, dann sind alle Zahlen in Euro aufzuführen", sagt Kreitz. Verwirrend stellt sich das Bild bei den Steuern dar.Grundlage für Steuerbescheide sei nach gegenwärtigem Stand bis Jahresende 2001 die nationale Währung.Auch Steuererklärungen seien in D-Mark zu erstellen - sogar für die Unternehmen, die Buchführung und Bilanz schon ab 1999 in Euro aufstellen.Kreitz geht allerdings davon aus, daß die Finanzbehörden ihre starre Haltung aufgeben, den Euro erst 2002 zu akzeptieren."Eine Teillösung ist möglich", so der Jurist. Bei Umsatzsteuer-Voranmeldungen und -Jahreserklärungen bräuchten keineswegs alle Einzelumsätze, die in Euro verbucht worden sind, in D-Mark umgerechnet zu werden.Es reiche die Summe der Umsätze, die dem 16-Prozent bzw.7-Prozent-Satz unterliegen.Auch bei Körperschaftsteuer- und Gewerbesteuererklärung brauchen nur bestimmte Zahlen in D-Mark umgerechnet zu werden.

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