RECHTS Frage : an Eva Klaar Verbraucherzentrale Berlin

Mehr Ersatz für verlorene Koffer?

an Eva Klaar

Ich habe gehört, dass Flugreisende mehr Ersatz bekommen, wenn ein Koffer verloren geht. Statt einer Pauschalentschädigung von 1350 Euro pro Koffer kann jetzt jeder Reisende von der Airline 1350 Euro verlangen, wenn sich mehrere Passagiere einen Koffer teilen. Was bedeutet das?

Der Europäische Gerichtshof hat mit seinem Urteil vom 22. November 2012 (Az: C-410/11) die Schadenersatzansprüche von Familien und anderen Reisegruppen für verloren gegangenes Fluggepäck verbessert. Er stellte klar heraus, dass ein Reisender von der Fluggesellschaft auch dann Schadenersatz für den Verlust seiner Gegenstände fordern kann, wenn sich diese in einem von einem Mitreisenden aufgegebenen Gepäckstück befunden haben oder von einem Mitreisenden aufgegeben worden sind. In Zukunft muss also für verlorenes Gepäck nicht wie bisher pro Koffer, sondern unter Umständen pro Person entschädigt werden.

Die betroffenen Reisenden müssen allerdings nachweisen, dass das von einem Mitreisenden aufgegebene Gepäck tatsächlich Gegenstände eines anderen Reisenden desselben Fluges enthielt. Dafür spricht und kann berücksichtigt werden, dass die Reisenden entweder Familienmitglieder sind, die Flugscheine zusammen gekauft oder außerdem gemeinsam eingecheckt worden ist. Die Fluggesellschaften haften bis zu einer Höchstgrenze von 1131 Sonderziehungsrechten pro Person. Das ist eine internationale Währungseinheit, die derzeit rund 1350 Euro entspricht.

Diese Summe kann man nun aber nicht pauschal pro Person fordern. Hier obliegt den Reisenden eine Nachweispflicht. Der Wert des verloren gegangenen Gepäckinhaltes sollte daher detailliert unter Angabe der einzelnen Gegenstände, dem Anschaffungswert und dem Anschaffungsdatum geltend gemacht werden. Reguliert wird immer nur zum Zeitwert. Daher ist es empfehlenswert, Kaufbelege als Beweismittel beizulegen. Wer mit Gepäck auf Reisen geht, dessen Wert über 1350 Euro liegt, kann eine Reisegepäckversicherung abschließen oder gegen Entrichtung eines entsprechenden Zuschlags sogar noch bei der Abfertigung höhere Haftungsgrenzen vereinbaren.Foto: Thilo Rückeis

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