RECHTS Frage : an Katharina Kraft-Rudel Fachanwältin für Familienrecht

Wie bekomme ich das Sorgerecht?

an Katharina Kraft-Rudel
Foto: Kai-Uwe Heinrich

Meine Freundin bekommt ein Kind und will noch vor der Geburt ins Ausland ziehen. Wie kann ich mir als Vater das Sorgerecht sichern?

Sind Vater und Mutter verheiratet, erhalten sie automatisch mit der Geburt des Kindes das gemeinsame Sorgerecht. Für nichteheliche Kinder erlangt in Deutschland zunächst nur die Mutter das Sorgerecht. In anderen Ländern und selbst in EU-Mitgliedsstaaten ist dies mitunter anders. So bekommen in Spanien auch unverheiratete Väter automatisch das Sorgerecht für ihr nichteheliches Kind.

In Deutschland erarbeitet das Justizministerium gerade eine neue gesetzliche Regelung für das Sorgerecht von unverheirateten Eltern. Ziel ist es, Vätern den Zugang zum Mitsorgerecht zu erleichtern. Wenn sich die Eltern einig sind, kann schon nach jetziger Rechtslage der unverheiratete Vater durch die Abgabe einer gemeinsamen Sorgerechtserklärung mit der Mutter das Mitsorgerecht erhalten. Dies kann kostenfrei bei den Jugendämtern beurkundet werden und ist schon vor der Geburt des Kindes möglich. Die Sorgerechtserklärung wird allerdings erst nach der Geburt des Kindes nach den Regeln des Landes wirksam, in dem dieses seinen gewöhnlichen Aufenthalt bekommt. Zieht die Mutter noch vor der Geburt des Kindes in ein anderes Land, richtet sich die Wirksamkeit der Sorgerechtserklärung nach den Gesetzen des Landes, in dem das Kind nach der Geburt seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat.

Dieser Fall ist im Juni vom Berliner Kammergericht entschieden worden. Die Eltern hatten vor der Geburt in Berlin eine gemeinsame Sorgerechtserklärung abgegeben. Einige Wochen vor der Geburt des Kindes zogen sie in die Schweiz, wo die Familie in der Folgezeit lebte. Als das Kind knapp zwei Jahre alt war, kam es zur Trennung der Eltern, und die Mutter verließ die Schweiz mit dem Kind ohne Zustimmung des Vaters. Der Vater wollte klären lassen, ob die Mutter widerrechtliche das Kind entzogen habe. Er ging davon aus, dass ihm aufgrund der Sorgerechtserklärung gleichberechtigt mit der Mutter das Sorgerecht zustehe. Das Gericht entschied anders. Der Vater hätte die deutsche Sorgerechtserklärung nach der Geburt des Kindes in der Schweiz von der dortigen Vormundschaftsbehörde anerkennen lassen müssen. Da dies nicht erfolgt sei, habe die Mutter allein über den Aufenthalt des Kindes entscheiden dürfen.

Diese Entscheidung zeigt, dass es nicht auf die Staatsangehörigkeit des Kindes und der Eltern ankommt, sondern auf das Recht des Staates, in dem die Zuweisung des Sorgerechts wirksam werden soll. Die Frage, wem das Sorgerecht bei der Geburt eines nichtehelichen Kindes zusteht, hängt somit auch vom Geburtsland ab. Sie sollten sich daher rechtzeitig informieren, welches Recht in dem Land gilt, in dem Ihr Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt nach der Geburt haben wird und welche Schritte Sie unternehmen müssen, um dort das Mitsorgerecht zu erhalten. Foto: Thilo Rückeis

1 Kommentar

Neuester Kommentar