RECHTS Frage : an Marcus Mollnau Präsident der Rechtsanwaltskammer

Was kostet ein Testament?

an Marcus Mollnau

Ich möchte ein Testament errichten und mich deswegen an einen Rechtsanwalt wenden. Kann ich mit dem Anwalt über die Gebühren verhandeln? Und fallen weitere Kosten an?

Sie können nicht nur über die Gebühren verhandeln, Sie sollen es nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz sogar. Das Gesetz sieht vor, dass immer dann, wenn es um die Beratung von Mandanten durch den Rechtsanwalt geht, eine Vergütungsvereinbarung abgeschlossen werden soll. Inzwischen haben mehrere Gerichte entschieden, dass auch die Erstellung eines Testamentsentwurfs durch eine Anwaltskanzlei eine Beratungstätigkeit darstellt. Entwirft die Rechtsanwältin oder der Rechtsanwalt das Testament eines Verbrauchers, ohne dass es zuvor zu einer Vergütungsvereinbarung gekommen ist, begrenzt das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz die Vergütung des Anwalts auf 250 Euro netto.

Ein Testament nach den Vorstellungen der Mandantin oder des Mandanten zu entwerfen, das konkret auf deren Situation zugeschnitten ist, ist jedoch eine juristisch schwierige Angelegenheit. Deshalb werden Rechtsanwälte in diesen Fällen zumeist selbst eine Vergütungsvereinbarung, etwa einen Stundensatz oder eine Pauschalgebühr, anregen.

Wenn Sie sichergehen wollen, dass Ihr eigener letzter Wille auch beachtet wird, können Sie Ihr handschriftliches Testament bei der Nachlassabteilung des Amtsgerichts hinterlegen. Damit verhindern Sie, dass Ihr Testament nach dem Tod nicht gefunden beziehungsweise nicht eröffnet wird. Für die Hinterlegung müssen Sie Gerichtskosten zahlen, die sich nach dem Wert des Vermögens richten. Bei einem Vermögen von 50 000 Euro fallen Gebühren in Höhe von 33 Euro an, bei einem Vermögen von 250 000 Euro sind es Gebühren in Höhe von 108 Euro. Die Gebühren richten sich nach der Anlage zu Paragraf 32 Kostenordnung, die Sie unter http://www.gesetze-im-internet.de/kosto/anlage_216.html finden. Es wird ein Viertel der in dieser Tabelle angegebenen Gebühren erhoben (Paragraf 101 Kostenordnung). Foto: promo

0 Kommentare

Neuester Kommentar