RECHTS Frage : an Stefan Braatz Deutsche Rentenversicherung Bund

Warum wird die Rente gekürzt?

an Stefan Braatz

Wegen eines Arbeitsunfalls bekomme ich Rente von der Berufsgenossenschaft. Meine Erwerbsminderungsrente von der Deutschen Rentenversicherung wird deswegen gekürzt. Ist das richtig? Ich habe doch beide Male Beiträge gezahlt.

Das Rentenversicherungsrecht kennt verschiedene Hinzuverdienstregelungen und Anrechnungs-, Kürzungs- oder Nichtleistungsvorschriften. Eine davon gilt für das Zusammentreffen einer Rente aus der gesetzlichen Unfallversicherung mit einer Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Bekommen Sie aufgrund eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit Rente von der Unfallversicherung, und erhalten Sie gleichzeitig Rente wegen Erwerbsminderung von der Rentenversicherung, wird die Rente der Unfallversicherung, die um einen vom Grad der Erwerbsminderung abhängigen „Freibetrag“ verringert wird, unter Beachtung bestimmter Grenzbeträge auf die Rente von der Deutschen Rentenversicherung angerechnet.

Die Anrechnungsregel: Ergeben Unfall- und Rentenversicherungsrente zusammen mehr als 70 Prozent eines Zwölftels des Jahresarbeitsverdienstes, nach dem die Unfallrente berechnet wurde, wird die Rente der Rentenversicherung gemindert. Unterm Strich soll die Summe beider Renten die 70-Prozent-Grenze nicht überschreiten. Mindestgrenzbetrag ist dabei die Monatsrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Deutlicher wird die Rechnung an einem Beispiel: Aus einem Jahresarbeitsverdienst von 24 000 Euro (2000 Euro monatlich) beträgt bei 90 Prozent Grad der Minderung der Erwerbsfähigkeit die Rente von der Unfallversicherung nach den dortigen Vorschriften 1200 Euro (zwei Drittel von 2000 Euro, hieraus wiederum 90 Prozent). Dieser Betrag wird für die Anrechnung aber nicht voll angesetzt, da die Unfallrente insoweit unberücksichtigt bleibt, wie eine Grundrente nach dem Bundesversorgungsgesetz bezogen werden könnte. Diese beliefe sich im vorstehenden Beispiel aktuell auf 595 Euro. Bevor es an die 70-Prozent-Grenzbetragsberechnung geht, wird die Unfallrente in Höhe von 1200 Euro durch Abzug der (unterstellten) Grundrente in Höhe von 595 Euro auf 605 Euro „heruntergerechnet“.

Bei einer angenommenen Rente wegen Erwerbsminderung von der Rentenversicherung in Höhe von 900 Euro liefen die weiteren Rechenschritte wie folgt ab: Grenzbetrag sind 70 Prozent eines Zwölftels des Jahresarbeitsverdienstes der Unfallrente, also 1400 Euro (70 Prozent von 2000 Euro). Beide Renten ergeben zusammen 1505 Euro (900 Euro Rente von der Rentenversicherung, 605 Euro „bereinigte“ Rente von der Unfallversicherung). Mit insgesamt 1505 Euro wird der Freibetrag von 1400 Euro um 105 Euro überschritten. Die Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung ist somit um diesen Betrag zu mindern und beläuft sich nunmehr anstelle von 900 Euro auf 795 Euro. Die Anrechnung findet bei der Rentenversicherung statt.Foto: Promo

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben