RECHTS Frage : an Ulrich Schellenberg Rechtsanwalt und Notar

Erbt auch der uneheliche Sohn?

an Ulrich Schellenberg

Meine Eltern haben sich in einem Berliner Testament gegenseitig zu Erben eingesetzt. Jetzt ist mein Vater gestorben. Aus der Ehe ist neben mir noch eine Schwester hervorgegangen. Mein Vater hat zudem noch einen unehelichen Sohn, der jetzt Mitte 50 ist. Wie geht es jetzt mit dem Nachlass weiter? Kann mein Halbbruder Ansprüche geltend machen? Kann meine Schwester ihren Pflichtteil verlangen? Mir wäre lieb, wenn das Geld zusammenbliebe, um damit die Pflegekosten meiner Mutter zu begleichen.

Durch die testamentarische Erbeinsetzung ist Ihre Mutter Alleinerbin nach Ihrem Vater geworden. Insoweit war dieses Testament schon sehr hilfreich, um die Versorgung Ihrer Mutter auch aus dem Erbe Ihres Vaters zu ermöglichen. Richtig ist aber, dass alle Kinder Ihres Vaters, auch Sie, einen Anspruch auf den Pflichtteil haben. Neben den Kindern steht der Pflichtteil auch dem Ehegatten und den Eltern des Erblassers zu, wenn diese durch eine Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen sind. Der Pflichtteilsanspruch gilt selbstverständlich auch für Ihren Halbbruder.

Die Höhe des Pflichtteils beträgt die Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils. Wenn Ihre Eltern im Güterstand der Zugewinngemeinschaft gelebt haben, wäre im Fall der gesetzlichen Erbfolge Ihre Mutter zu ½ und die drei Kinder je zu 1/6 Erbe nach Ihrem Vater geworden. Da Ihr Vater Ihre Mutter als Alleinerbin eingesetzt hat, steht jedem Kind ein Pflichtteilsanspruch in Höhe von 1/12 des Nachlasses zu. Dieses Pflichtteilsrecht muss innerhalb von drei Jahren nach Kenntnis des Todesfalles geltend gemacht werden, sonst verjährt es.

Meist enthält das Berliner Testament eine „Strafklausel“, wonach derjenige, der nach dem ersten Erbfall seinen Pflichtteil verlangt, auch im zweiten Erbfall auf den Pflichtteil verwiesen wird. Dies hieße, dass dann, wenn Ihre beiden Geschwister jeweils ihren Pflichtteil verlangen, Sie nach dem Tod Ihrer Mutter deren Alleinerbin wären. Ist aber bereits jetzt erkennbar, dass das Vermögen durch die Pflegekosten verbraucht wird, so kann es sein, dass Sie auch als Alleinerbin nach dem Tod Ihrer Mutter mit leeren Händen dastehen. Foto: Mike Wolff

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