RECHTS Frage : an Ulrich Schellenberg Rechtsanwalt und Notar

Wie lege ich die Erbfolge fest?

an Ulrich Schellenberg

Nach dem frühen Tod meiner ersten Ehefrau habe ich wieder geheiratet und lebe nun schon mehr als 20 Jahre glücklich mit meiner zweiten Frau, die aus ihrer ersten Ehe zwei erwachsene und wirtschaftlich selbstständige Kinder mitgebracht hat. Ich habe aus erster Ehe eine Tochter. Gemeinsame Kinder haben wir nicht. Ich möchte mit meiner Erbeinsetzung einerseits regeln, dass meine Ehefrau gut abgesichert ist. Andererseits möchte ich aber, dass mein Erbe letztlich meiner Tochter zugutekommt. Was kann ich tun?

Für den Fall, dass Sie kein Testament errichten, würde Ihre Ehefrau neben Ihrer Tochter gesetzliche Erbin werden. Im Fall des Todes Ihrer Ehefrau würde deren Anteil an Ihrem Nachlass auf deren Abkömmlinge übergehen. Ihre Tochter würde im Rahmen der gesetzlichen Erbfolge also nur die Hälfte Ihres Nachlasses erben, während die andere Hälfte in die Linie der Abkömmlinge Ihrer Ehefrau übergehen würde. Durch eine testamentarische Regelung können Sie zum einen erreichen, dass Ihre Ehefrau versorgt ist und gleichwohl der gesamte noch verfügbare Nachlass Ihrer Tochter zukommt. Zu denken wäre etwa an die Anordnung der Vor- und Nacherbschaft.

In diesem Falle würde Ihre Ehefrau als Vorerbin eingesetzt und Ihre Tochter als Nacherbin. Ihr Nachlass geht zunächst auf Ihre Ehefrau über, die berechtigt ist, von den Erträgen des Nachlasses zu leben. Der Bestand des Nachlasses würde aber nach ihrem Tod auf Ihre Tochter übergehen. Es wäre aber auch möglich, dass Sie – je nach persönlicher Lebenssituation – Ihre Tochter unmittelbar als Alleinerbin einsetzen und ein ausreichend groß bemessenes Vermächtnis zugunsten Ihrer Ehefrau aussetzen.

Wichtig ist allerdings gerade im Bereich der Patchworkfamilien, dass man sich sorgfältig Gedanken darüber macht, welche Erbfolge gewollt ist, da die gesetzliche Erbfolge in diesen Fällen meistens nicht zielführend ist. Dies gilt insbesondere auch dann, wenn – im Gegensatz zu Ihrem Fall – es gerade darauf ankommt, die Kinder beider Partner an der Erbfolge zu beteiligen. Auch wenn die Stiefkinder in der gemeinsamen Beziehung aufgewachsen sind, steht ihnen kein gesetzliches Erbrecht zu. Werden sie als testamentarische Erben neben den leiblichen Kindern eingesetzt, so stehen ihnen allerdings die gleichen erbschaftssteuerlichen Freibeträge zu, die auch den leiblichen Kindern zustehen. Foto: Mike Wolff

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