RECHTS Frage : an Ulrich Schellenberg Rechtsanwalt und Notar

Wie erfahre ich von meinem Erbe?

an Ulrich Schellenberg

Mein Vater ist kürzlich verstorben, wir hatten schon seit langem keinen Kontakt mehr. Nun soll das Erbe verteilt werden, ich vermute, dass ich nur den Pflichtteil bekomme. Wie erfahre ich, wie hoch der Nachlass ist? Und was kann ich tun, um herauszufinden, ob meine Geschwister sich schon vorher bereichert haben?

Zuallererst müssen Sie klären, in welcher Form Sie am Nachlass beteiligt sind. Als Abkömmling Ihres Vaters sind Sie neben Ihren Geschwistern und Ihrer Mutter per Gesetz als Erbe berufen. Allerdings kann der Erblasser Sie „enterben“. Eine solche „Enterbung“ bedarf aber immer eines wirksamen Testaments und findet ihre Grenze im Pflichtteil. Dieser Pflichtteil – in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbteils – steht jedem Abkömmling und Ehegatten zu und kann nur unter ganz engen Voraussetzungen entzogen werden.

Hat Ihr Vater zu Lebzeiten ein notarielles Testament errichtet, so wird dieses im Falle seines Todes ohne weiteres Zutun dem zuständigen Nachlassgericht übermittelt und von dort eröffnet. Hierüber werden alle in Betracht kommenden Erben, also sämtliche Kinder und der Ehepartner, unterrichtet. Hat Ihr Vater ein privatschriftliches Testament errichtet, so ist derjenige, der dieses Testament in den Händen hält, ebenfalls verpflichtet, es dem Nachlassgericht schnellstmöglich zu übergeben. Auch in diesem Falle werden Sie vom Gericht unterrichtet.

Sofern Sie bislang noch keine Nachricht haben und ausreichend Zeit nach dem Tod Ihres Vaters vergangen ist, kann es durchaus sein, dass Ihr Vater ohne Hinterlassung eines Testamentes verstorben ist und Sie als gesetzlicher Erbe berufen sind. Gleichwohl kann es sinnvoll sein, sich beim zuständigen Nachlassgericht, das ist das Gericht, an dessen Sitz der Erblasser verstorben ist, zu erkundigen.

Sind Sie als gesetzlicher Erbe berufen, bilden Sie mit den anderen Erben eine Erbengemeinschaft. Über die Nachlassgegenstände können die Erben nur gemeinschaftlich verfügen. Sind Sie Pflichtteilsberechtigter, sind Sie nicht Mitglied der Erbengemeinschaft. In diesem Falle können tatsächlich Vermögensgegenstände ohne Ihr Zutun verkauft werden. Ihnen steht aber ein Auskunftsanspruch gegenüber den Erben zu. Diese müssen in Form eines detaillierten Nachlassverzeichnisses beschreiben, welche Vermögenswerte sich im Nachlass befunden haben.

Ihr Pflichtteilsanspruch bezieht sich immer auf einen Geldzahlungsanspruch gegenüber den Erben. Sie müssen beachten, dass dieser Anspruch innerhalb von drei Jahren nach Kenntnis des Todes Ihres Vaters verjährt, wenn er nicht rechtzeitig gerichtlich geltend gemacht wird. Sollten sich Ihre Geschwister zu Lebzeiten Ihres Vaters insoweit „bereichert“ haben, als dass sie Schenkungen erhalten haben, so bezieht sich die Auskunftspflicht auch darauf. Für Schenkungen, die innerhalb einer Frist von zehn Jahren vor dem Tod erfolgt sind, steht Ihnen zeitanteilig ein Ausgleichsanspruch zu, da in Höhe der Schenkungen der Pflichtteilsanspruch gemindert ist.Foto: Mike Wolff

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