RECHTS Frage : an Wolfgang Wawro Steuerberater

Was mache ich mit der Quellensteuer?

an Wolfgang Wawro

Bei ausländischen Kapitalerträgen wird meist eine ausländische Steuer einbehalten. Diese kann in vielen Fällen auf die deutsche Einkommensteuer angerechnet werden. Was passiert aber, wenn meine Einkommensteuer ohnehin auf 0,00 Euro lautet?

Die ausländische Quellensteuer – so genannt, weil sie an der Quelle der Einkünfte erhoben wird – kann auf die deutsche Einkommensteuer angerechnet werden, wenn sie der deutschen Steuer entspricht – allerdings höchstens mit 25 Prozent. Und: Die ausländischen Steuern sind nur bis zur Höhe der deutschen Steuerlast anzurechnen, die auf die im jeweiligen Veranlagungszeitraum entsprechenden Kapitalerträge anfällt.

Ist Ihre individuelle Steuerlast 0,00 Euro, heißt das, dass keine deutsche Steuer auf Ihre Kapitalerträge anfällt. Deshalb kann auch eine Anrechnung der ausländischen Steuer nicht vorgenommen werden. Rechtssystematisch ist das auch logisch, denn warum sollte der deutsche Fiskus eine solche Steuer erstatten, die irgendein ausländischer Staat erhoben hat? Die Anrechnung soll letztlich nur eine Doppelbesteuerung beziehungsweise Überbesteuerung derselben Kapitalerträge vermeiden.

Beispielsweise erheben Luxemburg oder die Niederlande eine Quellensteuer von 15 Prozent, Österreich verlangt 25 Prozent, entlastet diesen Satz aber um zehn Prozent bei Nichtansässigen, es bleiben für Deutsche also auch in Österreich 15 Prozent an der Quelle. Die Schweiz erhebt allgemein 35 Prozent, entlastet Nichtansässige aber um 20 Prozent.

In vielen Ländern ist es aber möglich, sich unter Umständen dort die Quellensteuer erstatten zu lassen, wenn im Wohnsitzstaat eine Anrechnung nicht erfolgt. Hierfür gibt es unterschiedliche Antragsformalitäten. Dies kann je nach Abzugsstaat meist binnen vier Jahren beantragt werden. Die Abwicklung kann nur über die Banken bei den ausländischen Stellen durchgeführt werden. Das verursacht bei relativ geringen Steuerbeträgen meist höhere Bankspesen und lohnt deshalb häufig nicht. Das ist hinnehmbar, wenn man ansonsten von einer bessereren Rendite profitiert. Falls nicht, sollte man die Anlageform überdenken. Foto: Kai-Uwe Heinrich

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben