RECHTS Frage : an Susanne Meunier < i>Stiftung Warentest (Finanztest)

Wie problematisch ist die Vorsorge?

an Susanne Meunier

Ich lese, dass die Versicherer Probleme haben, mit ihren Geldanlagen genug zu verdienen, um die Garantien der Lebensversicherungen zu bedienen. Meine Versicherung läuft noch zehn Jahre. Soll ich kündigen und mein Geld anders anlegen? Gibt es Alternativen?

Das sollten Sie nicht tun. Eine Lebensversicherung zu kündigen, ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Der Versicherer investiert Ihr Geld nach Abzug der Kosten bei einer klassischen Lebensversicherung wie Ihrer vor allem in festverzinsliche Anlagen. Durch länger laufende Papiere, die das Unternehmen in der Vergangenheit gekauft hat, ist der Zinsertrag oft besser als das, was angesichts des aktuell sehr niedrigen Zinsniveaus derzeit in diesem Markt verdient wird. Zugeteilte Überschüsse aus früheren Zinserträgen jenseits der Ihnen als Garantie zugesagten Verzinsung (je nach Ihrem Vertragsbeginn zwischen 2,25 und 4 Prozent) sind Ihnen zudem schon jetzt sicher.

Wenn Sie nach einer Kündigung den Rückkaufswert und die künftigen Beiträge ähnlich sicher bei der Bank anlegen, werden Sie es wegen der niedrigen Zinsen schwer haben, das herauszubekommen, was Sie bei regulärem Ablauf Ihrer Versicherung erwarten können.

Auch steuerlich betrachtet ist die Versicherung vermutlich günstiger als eine abgeltungssteuerpflichtige Festzinsanlage. Bei vor 2005 geschlossenen Verträgen ist die Ablaufsumme nach zwölf Vertragsjahren komplett steuerfrei, bei ab 2005 geschlossenen Verträgen bleibt die Hälfte der Erträge unbelastet, sofern Sie bei Ablauf mindestens 60 Jahre alt sind.

Ein Großteil der Kosten fällt bei Versicherungen außerdem zu Beginn oder in den ersten Jahren an. Später kommt an Kosten nicht mehr so viel dazu, so dass der Kostenanteil zum Ablauftermin rückblickend in vielen Fällen sogar moderat gewesen sein kann. Kündigen Sie, drohen Ihnen auch Stornoabzüge, und ein Schlussgewinnanteil kann Ihnen verloren gehen.

Die Finanzkraft der Versicherungsunternehmen wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) überwacht. Einige Gesellschaften müssen kämpfen, um zumindest das, was sie per Garantiezins auch für die Zukunft sicher zugesagt haben, zu verdienen. Eine echte Schieflage ist bis jetzt aber bei keinem Anbieter bekannt.

Im schlechtesten Fall einer Zahlungsunfähigkeit springt die Sicherungsgesellschaft Protektor ein. Sie garantiert Kunden alles bisher Verdiente und für die Zukunft bis zum Ablauf des Vertrags mindestens die Garantieverzinsung.

Allerdings dürften neue Verträge künftiger weniger attraktiv sein. Das Bundesfinanzministerium plant, den Garantiezins ab dem 1. Juli 2011 von derzeit 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent zu senken. Betreffen würde das Versicherungen, die ab diesem Stichtag neu abgeschlossen werden. Die Senkung soll die Versicherer angesichts des Zinstiefs entlasten und ihnen ein wenig Luft verschaffen. Beschlossen ist das jedoch noch nicht. Foto: promo

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