RECHTS Frage : Sind Rentner pflichtversichert?

Ein Leser will in Kürze einen Rentenantrag stellen. Nun sagt man ihm, dass er vermutlich die Vorversicherungszeit für eine Pflichtmitgliedschaft in der Krankenversicherung der Rentner nicht erfüllt – was bedeutet das für ihn? Eine Rechtsfrage an Ulrich Theil Deutsche Rentenversicherung Bund.

an Ulrich Theil

Mit Rentenbeginn beteiligt sich die gesetzliche Rentenversicherung an den Aufwendungen zur Krankenversicherung der Rentner. Das kann zunächst eine Pflichtmitgliedschaft sein. Diese ist allerdings an bestimmte persönliche Voraussetzungen geknüpft, so unter anderem, dass eine bestimmte Vorversicherungszeit erfüllt ist. Demnach kann Pflichtmitglied der gesetzlichen Krankenversicherung als Rentner nur sein, wer in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens zu 90 Prozent in der Krankenversicherung pflichtversichert war. Bei einem 40-jährigen Arbeitsleben müssen Sie in den letzten 20 Jahren mindestens 18 Jahre lang Pflichtmitglied einer gesetzlichen Krankenkasse gewesen sein.

Allein die Kasse entscheidet, ob die Voraussetzungen für eine Pflichtmitgliedschaft vorliegen. Die Rentenversicherung ist daran gebunden. Die Prüfung wird bei der Rentenantragstellung mit der „Anmeldung zur Krankenversicherung der Rentner“ eingeleitet. Ist eine Pflichtmitgliedschaft nicht möglich, können Sie sich eventuell freiwillig bei einer gesetzlichen Kasse versichern – oder bei einer privaten Versicherung.

Für pflichtversicherte Rentner ermittelt der Rentenversicherungsträger die zu zahlenden Beiträge, behält sie von der Rente ein und überweist den Gesamtbeitrag direkt in den Gesundheitsfonds. Mehr ist nicht zu beachten. Freiwillig- und Privatversicherte müssen ihre Beiträge selbst an die Kasse oder den Versicherer zahlen. In diesen Fällen zahlt der Rentenversicherungsträger einen Zuschuss zum Krankenversicherungsbeitrag. Damit dieser zeitgleich mit der Rente beginnen kann, sollte der Antrag auf Beitragszuschuss zusammen mit dem Rentenantrag gestellt werden. Der Beitragszuschuss entspricht in der Höhe dem Zuschuss, der auch einem Pflichtversicherten zusteht, nämlich der Hälfte des um den Eigenanteil von 0,9 Prozent geminderten allgemeinen Beitragssatzes. Den Eigenanteil müssen alle, egal ob Rentner oder Arbeitnehmer, tragen.

Die Höhe Ihres tatsächlich zu zahlenden Beitrages für die freiwillige Krankenversicherung hat keine Auswirkung auf die Höhe des Beitragszuschusses. Bei einer privaten Krankenversicherung wird der Zuschuss auf die Hälfte des Beitrages begrenzt, wenn dieser geringer ist, als sich aufgrund der Rente ergeben würde. Den Beitrag zur Pflegeversicherung müssen alle Rentner stets in voller Höhe allein tragen.

Nicht nur die Rente ist beitragspflichtig. Die Krankenkassen erheben Beiträge auch auf weitere Einkünfte, wie zum Beispiel Betriebsrenten, Kapitalerträge oder Hinterbliebenenrente. Insgesamt aber nur bis zu einem Höchstbeitrag von 569,62 Euro im Monat. Foto: Mike Wolff

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