Wirtschaft : Rechtschreibreform kostetKlett-Verlag Millionen

Verleger: "Reform unnötig wie ein Kropf" / Umsatz steigt kräftig

LEIPZIG (dpa). Die Ernst Klett AG, Stuttgart, hat 1996 erstmals einen Umsatz von über 400 Mill.DM erzielt."Mit einem Umsatz von 412 Mill.DM übertreffen wir den Vorjahreswert um 27 Mill.DM", sagte Verleger Michael Klett am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Leipzig.Leipzig ist seit März 1996 mit einem neuen Verlagshaus der zweite Hauptstandort des Unternehmens.Der Konzernüberschuß, der nach wie vor durch die bilanzpolitische Gestaltung von Akquisitionen belastet sei, stieg von 0,3 Mill.DM auf 2,4 Mill.DM.Die Mitarbeiterzahl ist bei der Verlagsgruppe von 1550 auf rund 1650 gestiegen.Für 1997 plant die Verlagsgruppe, die vor allem im Bildungsbereich tätig ist, Investitionen von rund 30 Mill.DM. Heftige Kritik äußerte Klett an der Unsicherheit über die Einführung der Rechtschreibreform."Angesichts der wirtschaftlichen Situation ist sie unnötig wie ein Kropf", sagte Klett.Wenn sie so unorganisiert daherkomme, werde das vor allem kleinere Verlage im Bildungsbereich empfindlich treffen.Die Umstellung auf die Reform habe Klett im vergangenen Jahr rund drei Mill.DM gekostet.In diesem Jahr rechnet Klett mit weiteren sieben Mill.DM. Im Bildungsbereich sei das Geschäftsfeld Schule von der Diskussion um die Rechtschreibreform im doppelten Maße belastet.Mit erheblichem finanziellen Aufwand werden die Produkte auf die neue Schreibweise umgestellt, gleichzeitig führe die Unsicherheit über die Einführung der Reform zu Umsatzausfällen.Nur durch Kosteneinsparungen und der Fusion des Ernst Klett Schulbuchverlages mit dem Ernst Klett Verlag für Wissen und Bildung konnte das Konzernergebnis verbessert werden.Da die strukturellen Probleme auch im laufenden Jahr fortbestehen, rechnet Klett mit nur geringem Wachstum.Er erwarte aber ein Ende der Diskussion um die Rechtschreibreform."Die gegenwärtige Situation ist äußerst unglücklich.Gerade die Verlage benötigen die Gewinne, um die elektronische Zukunft mit zu gestalten", sagte Klett.Ein Zurückdrehen der Reform bedeute Zusatzkosten und damit geringeren Investitionsspielraum.Trotz des schwierigen Umfelds haben die Mitarbeiter und Autoren, die seit 1994 über eine stille Beteiligung verfügen, eine Verzinsung ihrer Anteilscheine von rund acht Prozent erhalten.Das Unternehmen befindet sich seit rund 100 Jahren in den Händen der Familie Klett.

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