Rechtsfrage : Wann bekommt der Anwalt Geld?

Die Präsidentin der Rechtsanwaltskammer Margarete von Galen erklärt, wann ein Anwalt Geld verlangen darf.

an Margarete von Galen

Ich habe eine Meinungsverschiedenheit mit meinem Anwalt. Er möchte jetzt schon einen Teil seines Honorars haben, ich möchte aber erst zahlen, wenn das Verfahren beendet ist. Können Sie mir sagen, wie es rechtlich ist: Wann kann der Anwalt Geld verlangen – erst am Ende oder auch zwischendurch? Und was ist, wenn ein Verfahren durch mehrere Instanzen geht ?

„Der Rechtsanwalt kann von seinem Auftraggeber für die entstandenen und voraussichtlich entstehenden Gebühren und Auslagen einen angemessenen Vorschuss fordern“, sagt Paragraf 9 des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes. Also nicht nur für die bereits geleistete, sondern auch für die zukünftige Arbeit können sich Anwältinnen und Anwälte im Voraus bezahlen lassen.

Über die Höhe des Vorschusses und die Frage, wann Sie die erste Rechnung erhalten werden, sollten Sie bei der Beauftragung des Anwalts sprechen. Wenn Sie die zu erwartenden Kosten nicht auf einmal zahlen können, sollten Sie fragen, ob eine Ratenzahlung möglich ist und auch über die voraussichtliche Gesamthöhe der Kosten kann Ihnen der Anwalt Auskunft geben.

Ob ein Anwalt einen Vorschuss verlangt oder nicht, liegt in seinem Ermessen und wird vom Einzelfall abhängen. In Strafsachen ist es absolut üblich, Vorschusszahlungen zu verlangen.

In Zivilsachen ist es nicht so selbstverständlich, dass Vorschusszahlungen vom Mandanten verlangt werden. Sie müssen aber auch in diesen Verfahren damit rechnen, dass Sie von Anfang an parallel zum Arbeitsaufwand des Anwalts Zahlungen leisten müssen. Denn die Kanzlei, die Ihren Fall übernimmt, muss ihre laufenden Kosten decken. Sie hat während der Dauer des Prozesses Miete, Gehälter für Angestellte und sonstige Kosten eines laufenden Büros zu tragen, so dass sie in der Regel auf laufenden Zahlungen bestehen wird.

In Zivilverfahren zahlt der Verlierer auch die Kosten des Gewinners. Hat der Mandant also einen Vorschuss gezahlt, wird er diesen nach Erstattung der Kosten durch den Prozessgegner zurückerhalten. Geht ein Verfahren durch mehrere Instanzen, entstehen für jede Instanz gesonderte Gebühren und Auslagen. Das Gericht entscheidet, ob die Kosten zwischenzeitlich von der Prozesspartei, die in der ersten Instanz verloren hat, dem Gegner zu erstatten sind. Das ist eine Frage der so genannten vorläufigen Vollstreckbarkeit.

Wenn das Verfahren abgeschlossen ist, ist der Anwalt verpflichtet, unverzüglich gegenüber dem Mandanten abzurechnen. Foto: Kai-Uwe Heinrich

Frau von Galen arbeitet als Rechtsanwältin in Berlin.

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben