Rechtsstreit : Zinkpest ärgert Märklin

Chefentwickler nach Qualitätsproblemen entlassen. Der Rechtsstreit wird vor dem Stuttgarter Arbeitsgericht verhandelt.

Sönke Iwersen (HB)

DüsseldorfDer schwäbische Modellbahnbauer Märklin führt einen heftigen Rechtsstreit mit einem seiner verdientesten Mitarbeiter. Chefentwickler Klaus Kern, der seit 23 Jahren im Unternehmen ist, wurde am 22. Februar von einem Vorgesetzten in ein Taxi gesetzt und angewiesen, das Firmengelände nicht wieder zu betreten. Da sich Kern keiner Schuld bewusst ist, legte er Widerspruch ein. Heute sehen sich die Parteien wieder – vor dem Arbeitsgericht Stuttgart. Weder Kern noch Märklin wollten sich zu den Einzelheiten der Kündigung äußern. Hintergrund ist offenbar eine Diskussion über Qualitätsmängel, die Kern mit einem Kunden im Internet führte. Der Kunde hatte sich beschwert, dass eine Märklin-Lok Verformungsspuren aufwies. Kern hatte vermutet, dass es sich bei der Lok um eine Fälschung handeln müsse, weil er von Bildern auf Materialfehler schloss.

Dann stellte sich offenbar heraus, dass die Lok tatsächlich von Märklin stammte. Die Verantwortung für das mangelhafte Material fällt damit auf Märklin zurück. Intern ist das Problem unter dem Stichwort „Zinkpest“ bekannt. Als Grund für die Mängel wird die Produktionsverlagerung von Göppingen nach Osteuropa und China vermutet. Die Geschäftsführung hatte den Kunden stets garantiert, die Produktionsverlagerungen würden die Qualität der Loks nicht schmälern. Auf Nachfrage sagt Geschäftsführer Axel Dietz auch heute: „Nach unseren internen Qualitätsberichten gibt es keinerlei Steigerungen von Qualitätsproblemen.“

Märklin kommt nicht aus den roten Zahlen

Doch neben nachweislich mangelhaften Produkten hat Märklin auch beim Marketing ein Problem. So wurde der Weihnachtskatalog 2007 erst kurz vor den Feiertagen ausgeliefert. „Es gab Probleme bei der Druckvorbereitung und auch bei der Auslieferung“, sagt Dietz. Der Fehler ärgert die betroffenen Geschäftspartner. „Für ein Unternehmen, das einen Großteil seines Geschäfts in der Weihnachtssaison macht, sind solche Patzer nicht zu entschuldigen“, sagt ein Märklin-Händler. „Wie sollen wir die Produkte verkaufen, wenn wir sie dem Kunden nicht zeigen können?“

Märklin steht damit auch zwei Jahre nach Erwerb durch den Finanzinvestor Kingsbridge auf unsicheren Gleisen. Den Verlust für 2007 beziffert Dietz auf „ungefähr in Höhe des Vorjahres“. Da lag der Konzernfehlbetrag bei 13,7 Millionen Euro. Der Umsatz blieb nur durch Zukäufe stabil bei 126 Millionen Euro. Kingsbridge hatte Märklin 2006 übernommen. Die Geschäftsführung wurde ausgetauscht, Kingsbridge setzte mehrere Sanierer der Beratungsfirma Alix ein. Im Februar 2007 dann übernahm Dietz den Vorsitz der Geschäftsführung. Er kam von Müller Milch.

Zwischen Dietz und dem Alix-Manager Ulrich Wlecke, der in den Beirat wechselte, kam es jedoch zu Unstimmigkeiten – Mitarbeiter berichten von eisigem Klima. Kingsbridge hat Alix inzwischen abgezogen. Seit kurzem gehen die Unternehmensberater von Admova bei Märklin ein und aus. „Jetzt haben wir neue Berater, aber keinen Chefentwickler mehr“, sagt ein Mitarbeiter. „Ob uns das weiterbringt?“ Sönke Iwersen (HB)

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