Wirtschaft : Recycling: Alte Elektrogeräte - zurück zum Hersteller

Barbara Münzer

Nur Menschen jenseits der 30 können sich noch daran erinnern. Ob Joghurtbecher, Marmeladenglas oder Apfelschalen, für Müll gab es nur eine Tonne. Und die war groß und ihre Leerung günstig. Mittlerweile haben sich die Bundesbürger an ein respektables Sortiment von Müllbehältern gewöhnt, und geht es nach der EU-Kommission werden es bald noch mehr. Zwei Richtlinien-Vorschläge zum Thema Elektro- und Elektronikschrott stehen zur Debatte. Zukünftig soll vom Taschenrechner über das Mikrowellengerät bis hin zur Geschirrspülmaschine alles gesammelt und zu Rücknahmestellen gebracht werden. Von dort sollen die Hersteller ihre Altgeräte abholen und zertifizierten Recyclinganlagen zuführen.

Grund für das bereits länger erwartete Handeln der EU sind die schnell wachsenden Müllberge. 14 Kilogramm Elektro- und Elektronikschrott produziert der EU-Bürger derzeit jährlich und es wird immer mehr. Nach Angaben der schwedischen EU-Umweltkommissarin Margot Wallström steigt der Anteil dieses Schrotts drei Mal so schnell wie der restliche Abfall. EU-weit war das 1998 eine Menge von sechs Millionen Tonnen. Die Prognose der Kommission: In den nächsten zwölf Jahren wird sich diese Menge verdoppeln.

Auch wenn die absolute Größe noch nicht alarmierend klingt, die Entsorgung der technischen Geräte ist problematisch. In ausrangierten Computern oder Fernsehgeräten befinden sich so giftige Substanzen wie Blei oder Quecksilber. Bisher gehörten diese Geräte dennoch laut Definition zum ganz normalen Hausmüll. 90 Prozent davon fallen dem Schredder zum Opfer oder werden einfach deponiert. Das soll sich nun schnell ändern. Elektroschrott wird laut EU-Richtlinien zum Sondermüll. Für die korrekte Entsorgung alter Geräte sind dann die Hersteller verantwortlich. Nach einer Schätzung der Kommission werden sich die Kosten auf jährlich 1,6 Milliarden Mark belaufen.

Die Hersteller schlagen wie bereits beim Thema Verpackung oder Rücknahme alter Autos Alarm. Die Zwangsabgabe würde die ohnehin angeschlagene Industrie zu stark belasten. Dass dieses Argument kommen würde, hat die EU-Kommission geahnt. Die Richtlinien-Vorschläge sehen deshalb vor, dass die Firmen die Kosten auf den Verbraucher abwälzen können, sofern sie das auf dem Preisschild deutlich machen. Eine Methode, die wiederum beim Konsumenten wenig Anklang finden dürfte. Nicht nur Verbraucherschützer gehen deshalb davon aus, dass die Entsorgungskosten eher verdeckt im Preis zu finden sein werden. Ein weiteres Problem könnten die importierten Geräte darstellen. Hersteller jenseits der EU-Grenzen wären ebenfalls für die Rücknahme zuständig. Doch bis es Ernst wird für die Hersteller von Elektro- und Elektronikartikeln dauert es noch eine ganze Weile. Wann und in welcher Form ein Gesetz zur Entsorgung der Altgeräte in Kraft treten wird, ist heute noch nicht vorhersehbar. Zunächst muss das Europäische Parlament der Richtlinie zustimmen, dann haben die Mitgliedsländer für die Umsetzung noch eineinhalb Jahre Zeit.

Dass auch ohne staatlichen Druck etwas passieren kann, zeigt die Computerbranche in den USA. Der PC-Hersteller Hewlett-Packard (HP) nahm im Mai die erste Recyclinganlage für Computerschrott im Silicon Valley in Betrieb. Nicht nur Besitzer von HP-Produkten können gegen eine Gebühr von 13 bis 34 Dollar ihre alten Geräte an der Haustür abholen und entsorgen lassen. IBM will demnächst damit beginnen, gebrauchte Computer und Zubehör gegen einen Pauschalpreis von 30 Dollar zurückzunehmen.

Den gleichen Service wie in den USA bietet Hewlett-Packard seit Juni auch hier zu Lande unter dem Namen Take-Back-Service an. Für einen Pauschalpreis von 49 Mark kann der Kunde bis maximal 30 Kilogramm Elektronikschrott entsorgen lassen. Die Marke der Geräte spielt dabei keine Rolle. Für größere Mengen gibt es individuelle Angebote. Das noch junge Geschäft mit dem Schrott ist trotz Gebühr defizitär. Die Nachfrage der Computernutzer, die ihre Altgeräte sonst kostenlos auf Wertstoffhöfen entsorgen dürfen, ist erwartungsgemäß gering. Richtig anlaufen wird der Recycling-Markt, wenn die Rücknahme zur Pflicht wird. Bis dahin kann sich Hewlett-Packard in Deutschland für den Ernstfall rüsten. Bereits ohne Rücknahmeverordnung nimmt der Computerhersteller in den USA und Europa monatlich 1,6 Millionen Kilogramm Elektronikschrott zurück. Mit Verordnung wird es deutlich mehr werden.

Andere Computerhersteller wie IBM oder Compaq nehmen kostenlos Computerschrott und Zubehör zum Entsorgen und Recyclen an, allerdings nur wenn sie aus dem eigenen Haus stammen. Wieder andere wie Direktversender Dell warten derzeit noch die Vorgaben durch den Gesetzgeber ab. In den USA ist Dell einen Schritt weiter. Dort gibt es auf der Website die Möglichkeit, alte Geräte zu verschenken oder zu versteigern.

Wer sich als umweltbewusster Verbaucher bereits heute um die sachgerechte Entsorgung seiner gebrauchten Elektronikartikel Gedanken macht, kann nicht viel tun. Noch hängt alles am Müllkonzept der einzelnen Kommunen. In Berlin bietet die Stadtreinigung BSR einen kostenpflichtigen Abholservice an. Wer seinen alten Computer oder Fernseher selbst zum Wertstoffhof bringt, braucht nichts zu bezahlen. Bei der so genannten weißen Ware, gemeint sind damit Geräte aus Bad und Küche, verlangt die Berliner Stadtreinigung 20 Mark pro Gerät.

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