Recycling : Aus Schrott Gold machen

Ja, es geht wirklich: Das Unternehmen OTB Oberflächentechnik in Berlin kann aus Metallschrott reines Gold gewinnen. Der Schrott muss freilich Spuren von Gold enthalten, aber früher warf man den meist einfach weg.

Kevin Hoffmann

Berlin„Gold. Das ist doch immer wieder ein faszinierendes Metall“, sagte Berlins Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen, Harald Wolf (Linke), am Donnerstag bei einem Rundgang durch das OTB-Werk im Stadtteil Marienfelde.

Der Politiker ist derzeit auf „Innovationstour“ durch Unternehmen, die in den vergangenen 25 Jahren den Berliner Innovationspreis gewonnen haben – der seit 1992 für Berlin und Brandenburg gemeinsam verliehen wird. „Ich hoffe, dass meine Besuche dazu beitragen, dass zwischen den Unternehmen ein kleines Netzwerk entsteht“, sagte Wolf. Er wolle nicht nur, dass sich neue Unternehmen in der Stadt niederlassen oder entstehen, sondern er wolle diese auch begleiten.

OTB wurde 1987 in einer Garage in Berlin-Zehlendorf gegründet und gewann den Innovationspreis 1999 für sein Recyclingverfahren. Seither stockte OTB sein Personal um zehn Mitarbeiter auf derzeit 90 auf und macht heute mit der Metallveredelung rund 16 Millionen Euro Jahresumsatz. 2005 kaufte das Nürnberger Familienunternehmen Diehl OTB vollständig auf.

Wolf ließ sich von OTB-Ingenieuren die Produktionshallen zeigen, ging vorbei an mannshohen, durch Rohre verbundene Kanister, durch die Salzsäure in die eine Richtung fließt, Natriumhydroxid in die andere. Am Ende des von OTB entwickelten Membran-Elektrolyse-gestützten Recyclingverfahrens gewinnt man Goldpulver: 250 Kilogramm Gold und fünf Tonnen Silber verarbeitet OTB im Jahr und verbaut die Metalle meist gleich weiter – beschichtet damit etwa elektronische Kontakte, die vor allem in der Automobilindustrie verwendet werden.

Als Wolf vorbeikam, zeigte man ihm lange Metallbänder, aus denen Kontakte für das iPhone von Apple gestanzt werden, wie ein Mitarbeiter sagte. So erfuhr der Senator im Vorbeigehen sogar ein kleines Geheimnis. Denn der US-Computerhersteller verrät eigentlich nie, wer seine Zulieferer sind.

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