Recycling : Verpackungsentsorgung: In die Tonne treten

Mit Müll lässt sich viel Geld machen. Ökonomen kritisieren jedoch das System, denn es mangelt an Wettbewerb.

Laura Gitschier

Berlin - Aus gebrauchten Verpackungen wie Joghurtbechern, Saftflaschen oder Getränkekartons lassen sich erneut Rohstoffe gewinnen – an sich eine sinnvolle Sache. Nur: Der Markt dahinter läuft nicht so effizient ab, wie es sein könnte. Das ist zumindest die Ansicht des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). Der Wettbewerb auf dem Verpackungsentsorgungsmarkt sei eher dürftig, bilanziert das Institut in einer Studie. „Es gibt Systemschwächen auf dem Markt“, sagte Thomas Straubhaar, Direktor des HWWI am Donnerstag. Zu der Diskussion um den Markt gehört auch die zur Zeit heiß diskutierte Wertstofftonne, die Alba in Berlin einführen wollte, dabei aber von der Senatsverwaltung für Umweltschutz gestoppt worden war. In der Wertstofftonne sollten im Gegensatz zum Dualen System („Grüner Punkt“) sämtliche wiederverwertbaren Rohstoffe gesammelt werden, beim „Grüner Punkt“ werden nur Verpackungsabfälle entgegengenommen, die das Zeichen tragen.

Das HWWI ist der Auffassung, dass der Wettbewerb auf dem Entsorgungsmarkt nicht optimal funktioniert. Dafür macht das Institut unter anderem die Verpackungsverordnung verantwortlich, die unter anderem ein flächendeckendes Netz vorschreibt. Gerade kleine Unternehmen könnten sich das nicht immer leisten und würden so vom Markteintritt abgehalten. Um den Wettbewerb anzukurbeln, schlägt das HWWI neben besseren Kontrollmechanismen und einer größeren Transparenz auch eine allgemeine Vereinfachung des Systems vor. Das Institut erwartet für die kommenden Monate eine zunehmende politische Debatte – auch weil immer mehr Unternehmen die Wertstoffe als zusätzliche Einnahmequelle entdecken. Beispiel: Wertstofftonne.

„Wer die Wertstofftonne auswerten darf, ist klar im Vorteil“, sagt Johann D. Hellwege, Ex-Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Verkehr in Niedersachsen. Er sieht einen Konflikt zwischen Kommunen und Unternehmen. Kein Wunder: In der äußerst profitablen Branche geht es um viel Geld. Und die Tonne, in die auch Materialien aus Holz oder Metall eingeworfen werden dürfen, wird dabei wohl eine wichtige Rolle spielen. Die Wertstofftonne solle in private Zuständigkeit fallen, fordert Peter Kurth, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft. Es solle keine kommunale Monopolstellung geben. „Nur eine wettbewerblich organisierte Entsorgungswirtschaft – verknüpft mit hohen gesetzlich festgeschriebenen Recyclingquoten – kann faire Preise für die Bürger, Umweltschutz und eine sichere Versorgung der deutschen Industrie mit Rohstoffen dauerhaft garantieren“, sagte Kurth am Donnerstag in Berlin. Nach Informationen des Verbandes ist die Recyclingwirtschaft in Deutschland zur stärksten Wachstumsbranche aufgestiegen, mit rund 14 Prozent pro Jahr in den vergangenen 15 Jahren.

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