Wirtschaft : Reebok verdirbt Adidas die Laune

Aufträge der neuen US-Tochter brechen ein – Sportkonzern macht Verlust

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Herzogenaurach - Die Übernahme des amerikanischen Konkurrenten Reebok belastet Adidas stärker als erwartet. Im vierten Quartal rutschte der zweitgrößte Sportkonzern der Welt wegen des Kaufs sogar in die roten Zahlen, was Adidas die WM-Laune etwas verderben dürfte. Sorgen macht Adidas zudem der überraschend schwache Auftragseingang von Reebok.

Adidas-Chef Herbert Hainer warnte gestern am Firmensitz in Herzogenaurach, dass es die nächsten sechs bis neun Monate dauern werde, ehe Reebok auf Kurs sei. Im vierten Quartal sind die Bestellungen der Amerikaner dramatisch eingebrochen. Der Auftragsbestand fiel im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent. Vor allem im für Reebok wichtigen Heimatmarkt USA hielten sich die Händler mit Orders zurück und bestellten ein Drittel weniger Turnschuhe von Reebok.

Adidas hat Reebok Anfang dieses Jahres für rund 3,2 Milliarden Euro übernommen. Seit dem ersten Februar haben die Franken die US-Tochter in die Bilanz aufgenommen. Durch Kosten im Zusammenhang mit dem Kauf rutschte Adidas jedoch bereits im abgelaufenen vierten Quartal mit vier Millionen Euro in die roten Zahlen. Analysten hatten im Schnitt mit einem Gewinn von drei Millionen Euro gerechnet. Im Jahr davor fuhr Adidas im vierten Quartal noch einen Gewinn von 20 Millionen Euro ein.

Auch in den nächsten Monaten wird Adidas nur wenig Freude an Reebok haben. Hainer kündigte an, der Umsatz des US-Ablegers werde dieses Jahr um einen mittleren einstelligen Prozentsatz auf etwa 2,8 Milliarden Euro sinken. Dazu kommt, dass die Marge von Reebok niedriger ausfallen wird als die von Adidas. So erwartet Hainer für den Konzern dieses Jahr eine Rendite bezogen auf den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von neun Prozent. Die Marke Adidas soll aber mehr als zehn Prozent erreichen.

Um Reebok schnell zu sanieren, hat Adidas eigene Mitarbeiter nach Amerika geschickt. Schon im zweiten Halbjahr werde die Firma besser dastehen als heute. Die Börse glaubt aber noch nicht recht an einen Sanierungserfolg. Die Adidas-Aktie gehörte gestern mit einem Minus von fast drei Prozent auf rund 160 Euro zu den größten Verlieren im Dax.

Das Geschäft der Marke Adidas läuft derzeit sehr gut. Mit einem Umsatz von rund sechs Milliarden Euro ist Adidas etwa doppelt so groß wie Reebok. „Adidas hat durch eine clevere Produktpolitik, gepaart mit einem resoluten Vertrieb, seine Vormachtstellung ausgebaut“, sagte jüngst Wolfgang Schnellbügel, Geschäftsführer des Sporthändlerverbunds Sport 2000. Vor allem im Fußball hätten die Franken ihre führende Position weiter verstärkt.

Im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft tobt gerade auf diesem Feld ein erbitterter Wettbewerb zwischen Adidas und seinem schärfsten Rivalen, Weltmarktführer Nike. Adidas, der offizieller WM-Sponsor, Ausrüster und Lizenznehmer ist, sieht sich mit Abstand als die Nummer eins im prestigeträchtigen Fußball-Geschäft und will dieses Jahr mit Bällen und Trikots erstmals mehr als eine Milliarde Euro umsetzen. Allein vom WM-Fußball „Teamgeist“ will das Unternehmen mehr als zehn Millionen Stück verkaufen.

Für den gesamten Konzern erwartet Herbert Hainer im laufenden Jahr ein Umsatz- und Gewinnplus im zweistelligen Bereich. Auch in den kommenden drei Jahren soll es jedes Jahr aufwärts gehen. Dabei verspricht Hainer mittelfristig eine Marge bezogen auf den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von elf Prozent. jojo/HB

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