Wirtschaft : Reform belastet Hersteller von Billigarzneien

Kleinere Anbieter sorgen sich um ihre Existenz – und lassen kostengünstig in Indien produzieren

Maren Peters

Berlin - Die Gesundheitsreform und harte Rabattschlachten haben den Herstellern von billigen Nachahmermedikamenten (Generika) ein hartes erstes Halbjahr beschert. Der Umsatz ging nach Angaben des Marktforschungsinstituts IMS Health in den ersten fünf Monaten um 3,4 Prozent zurück. Vor allem kleinere Hersteller befürchten nun, dem harten Wettbewerb zum Opfer zu fallen. „Die Situation ist anhaltend schlecht“, sagte Jens-Peter Schütz, Geschäftsführer der Bremerhavener Generikafirma TAD Pharma, in Berlin. „Der Marktanteil der Kleinen schwindet zugunsten der Großen.“ Das bestätigte auch IMS-Health-Sprecherin Gisela Maag. „Gerade für einige mittelständische Unternehmen wird es schwer sein zu überleben.“ Übernahmen noch in diesem Jahr wären keine Überraschung, sagte sie.

Generika sind Kopien von Originalmedikamenten, die zwar genauso wie die Originale wirken, aber deutlich billiger sind, weil keine Zahlungen an den Patentinhaber anfallen. Eigentlich hätte man davon ausgehen können, dass die Billiganbieter Gewinner der Gesundheitsreform sind. Schließlich erhöht die Reform durch höhere Zuzahlungen und die Herausnahme vieler Präparate aus der Rezeptpflicht den Preisdruck auf teure Originalprodukte. Doch das Gesetz und die lange Unsicherheit von Ärzten und Patienten über die Auswirkungen hat die Generikaproduzenten genauso getroffen wie die Original-Hersteller. Das Gleiche gilt für den Zwangsrabatt von 16 Prozent, den die Politik Herstellern aufgebrummt hat, um die Medikamentenkosten zu senken.

Noch heftiger wirkt die Rabattschlacht, mit der die Hersteller seit Wochen um einen Platz in den Apotheken kämpfen. Da Generika als „No-Names“ austauschbar sind, wird der Wettbewerb vor allem über den Preis ausgetragen. „Der Preisdruck wird härter“, sagte TAD-Chef Schütz. Im Vorteil seien die großen Hersteller, da sie höhere Rabatte geben könnten. Vor allem Mittelständler befürchten daher, dass es zu einem starken Konzentrationsprozess kommen wird, aus dem wenige große Hersteller als Gewinner hervorgehen werden.

Die Kleinen sind gezwungen, ihre Strategie umzustellen. TAD etwa kauft Wirkstoffe neuerdings in China oder Indien ein, um die Kosten zu senken. „Zu gleicher Qualität, aber um 35 bis 40 Prozent günstiger“, betont Geschäftsführer Schütz. Außerdem versuchen viele Mittelständler, sich durch Zukäufe im Ausland besser aufzustellen. „Die Voraussetzungen dafür sind sehr gut“, sagt Peter Walter, Geschäftsführer der Augsburger Generika-Firma Betapharm. Umgekehrt sind Ausländer auch an deutschen Firmen interessiert. Deutschland ist mit einem Branchenumsatz von 5,4 Milliarden Euro (2003) der zweitgrößte Generikamarkt der Welt und gilt wegen vergleichsweise hoher Preise als attraktiver Markt. Gerade hat der indische Generikaanbieter Wockhardt die Magdeburger Firma Esparma übernommen.

Die Branche hofft auf eine Atempause. Nach Informationen aus Analystenkreisen will der größte deutsche Hersteller Ratiopharm die Apothekenrabatte zurückfahren. Außerdem verspricht sich die Branche durch die geplante Senkung der Festpreise für rezeptpflichtige Medikamente eine höhere Nachfrage nach Generika. Der Grund: Verbraucher müssen die Differenz zwischen Festpreis und Apothekenpreis selbst zahlen – und greifen dann vielleicht öfter auf billige Alternativen zurück.

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