Wirtschaft : Reformen beflügeln auch Afrikas Aktien

WOLFGANG DRECHSLER

Die Wirtschaftsreformen in vielen Ländern Afrikas zeigen Wirkung bei den Finanzmarktexperten.Das Interesse steigt.Allein in diesem Jahr sollen neue Afrika-Fonds in Höhe von rund 700 Mill.Dollar aufgelegt werden.Allerdings werden viele ausländische Anleger noch immer von der geringen Größe und vor allem der geringen Liquidität vieler afrikanischer Börsen abgeschreckt.Zudem hat der Kontinent nach wie vor einige Sorgenkinder.So mahnen die bedenklichen Entwicklungen in Ländern wie Simbabwe (Landreform), Kenia (Korruption) und Nigeria - dort ist nicht absehbar, daß der Nachfolger des verstorbenen Staatschefs Sani Abacha, Generalstabschef Abdulsalam Abubakar, die politischen Repressalien lockern wird - Anleger zur Vorsicht.

Dennoch hat Bill Clintons zwölftägige Reise durch Schwarzafrika manchen Fondsmanager zu einer erneuten Inspektion des Schwarzen Kontinents bewogen.Einige haben dabei festgestellt, daß sich mit der nötigen Sorgfalt auch in Afrika Firmen zu äußerst günstigen Preisen finden lassen.Obwohl der Kontinent noch immer kein Terrain für nervenschwache Anleger ist und ein größeres Maß an Risikobereitschaft erfordert, hat das jüngste Abschneiden der schwarzafrikanischen Märkte manchen Fondsprofi verblüfft: So gehörte Botswana und Sambia 1997 mit einem Anstieg von 93 Prozent bzw.90 Prozent zu den Spitzenreitern unter den Weltbörsen.

In diesem Jahr ist das westafrikanische Ghana in diese Spitzengruppe vorgestoßen.Nachdem die im November 1990 eröffnete Börse von Accra bereits Ende 1997 auf einen historischen Höchststand geklettert war und innerhalb von nur vier Monaten rund 40 Prozent zulegte, hat sie dieses Ergebnis im ersten Quartal dieses Jahres noch verbessert und weitere 60 Prozent hinzugewonnen.Nach Einschätzung der Standard Bank in London hat sich der ghanesische Aktienmarkt, der zwischen 1994 und 1997 nicht zuletzt wegen seiner geringen Liquidität seitwärts tendierte, nun offenbar seiner Fesseln entledigt und auf einen Höhenflug begeben.

Begründet werden die zuletzt starken Zugewinne der Börse vor allem mit selektiven Käufen ausländischer Investoren, die inzwischen realisiert haben, daß eine Reihe ghanesischer Qualitätstitel unterbewertet waren.Mehr als die Hälfte der 23 in Accra notierten Werte sind mehrheitlich in den Händen ausländischer Unternehmen, vor allem aus Großbritannien.Zu den Anteilseigner gehören neben den europäischen Muttergesellschaften vor allem Afrika-Fonds aus England und den USA.Ausländische Privatanleger bilden eher die Ausnahme.

Zudem hat sich das gute Wirtschaftswachstum nach Einschätzung der Standard Bank zuletzt positiv auf die Unternehmensergebnisse in Ghana ausgewirkt und das Interesse ausländischer Anleger verstärkt.Einzige Ausnahmen waren dabei anfänglich die Ghana Commercial Bank, die größte Bank des Landes, und Ashanti Goldfields, Westafrikas mit Abstand größtes Unternehmen.Wie viele andere Goldfirmen litt auch Ashanti bis vor kurzem unter der schwachen Preisentwicklung des gelben Metalls und büßte innerhalb von nur vier Monaten fast ein Drittel seines Marktwertes ein.Inzwischen hat sich der Kurs des äußerst kostengünstig produzierenden Unternehmens leicht erholt.

Ein weiterer Grund für den Anstieg der ghanesischen Börse dürfte in der abnehmenden Inflationsrate liegen, die in den letzten beiden Jahren von 70 auf 18 Prozent gefallen ist.Für das laufende Finanzjahr liegt die Zielvorgabe der Regierung bei 10 Prozent.Dennoch rät die Standard Bank in London, kurzfristig Gewinne mitzunehmen.Sorge bereitet den Analysten des Instituts die aktuelle Energiekrise, die bis ins dritte Quartal hinein andauern könnte.Stromausfälle von zwei bis drei Tagen sind in dem westafrikanischen Land keine Seltenheit.

Heute gehört die Börse in Accra zu den größeren Aktienmärkten des Kontinents und ist deshalb zusammen mit den etwa gleich großen Börsen in Kenia, der Elfenbeinküste und Botswana vor zwei Jahren von der International Finance Corporation - einer Weltbank-Tochter, die Schwellenländern beim Aufbau ihrer Börsen hilft - in den Index der sogenannten "Frontier Markets" aufgenommen worden.Neben Ghana zählt die Standard Bank auch Botswana und Mauritius zu ihren Afrika-Favoriten.Beide Länder, so heißt es, hätten unter den von der Bank untersuchten Staaten die niedrigsten Realzinsen, und es sei deshalb kein Zufall, daß sie zum einen über die makroökonomisch und politisch stabilsten Wirtschaften und gleichzeitig ein besonders investitionsfreundliches Umfeld verfügten.Nach Einschätzung der Standard Bank wird Botswana angesichts seiner soliden wirtschaftlichen Eckdaten und einer steigenden Verbrauchernachfrage vermutlich in die zweite Phase einer Hausse rücken.Das Kurs-Gewinn-Verhältnis in Botswana gilt mit neun angesichts der Gewinnschätzungen und des stabilen Umfelds als günstig.

Attraktiv bleibt aber auch Mauritius, obwohl dessen Börse im ersten Quartal dieses Jahres nur um 2,3 Prozent gestiegen ist.Die Standard Bank glaubt, hier deutliche Anzeichen für ein Ende der gegenwärtigen Schwächeperiode ausmachen zu können.Hotel- und Banksektor zeigten Aufwärtstendenzen.Dagegen sei Nigeria wegen Benzinengpässen und politischer Probleme im ersten Quartal um 15 Prozent gefallen.Dennoch sei der Markt zu beachten.Die Töchter einiger in Lagos notierter multinationalen Unternehmen hätten das Potential für große Zugewinne.

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