Wirtschaft : Reformen statt Garantien (Glosse)

Martina Ohm

Die Investitionen deutscher Unternehmen im Ausland gelten gemeinhin als verbindliche Messlatte für die Attraktivität des Standortes Deutschland. Je weniger Gelder die Manager in die heimische Wirtschaft stecken, desto unattraktiver erscheint das Bild der deutschen Wirtschaft. Die Schlussfolgerung erscheint logisch, und dem Trend nach stimmt sie sicher auch. Doch auch Beteiligungen, Kooperationen und Zusammenschlüsse schlagen sich in der Statistik der Auslandsinvestitionen nieder - und verzerren das Bild. Beispiel DaimlerChrysler. So gesehen kann man den ausgeprägten Aktivitäten deutscher Investoren im Ausland nämlich auch positive Seiten abgewinnen - etwa als Ausdruck von Beweglichkeit und Anpassungsvermögen. Und: erst das Standbein im Ausland vermag im Einzelfall auch dazu beitragen, Arbeitsplätze in deutschen Landen zu sichern. Der Wirklichkeit am nächsten kommt freilich, wer nicht nur die deutschen Investitionen im Ausland betrachtet, sondern gleichermaßen das Engagement der ausländischen Unternehmer in Deutschland. Und hier sieht es in der Tat gar nicht gut aus. Auf der Rangliste der begehrtesten Standorte rangiert Deutschland vielmehr unter "ferner liefen". Genau das nimmt der BDI zum Anlass, überfällige Korrekturen der politischen Rahmenbedingungen anzumahnen. Der Ruf nach zusätzlichen Staatsgarantien für Auslandsengagements der deutschen Wirtschaft kann nicht im Sinne der Sache sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben