Wirtschaft : Reformvorschlag I: Kopfpauschalen

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Die radikalste Reform der gesetzlichen Krankenversicherung hat sich KlausDirk Henke ausgedacht, Gesundheitsexperte an der Technischen Universität Berlin. Er will die Sozialbeiträge, die in Deutschland derzeit vom Lohn gezahlt werden, komplett abschaffen und stattdessen von jedem in Deutschland lebenden Erwachsenen 200 Euro pauschalen Kopfbeitrag verlangen. Kinder unter 21 Jahren sollen nichts kosten, eine Unterscheidung zwischen privaten und gesetzlichen Kassen soll es auch nicht mehr geben. Stattdessen wird für jeden Versicherten ein Kapitalstock angespart, von dem seine medizinische Versorgung im Alter bezahlt wird. Auch Bert Rürup, Chef der Reformkommission für die Sozialversicherung, ist ein Anhänger dieser Idee.

Für die gesetzliche Krankenversicherung wäre dies allerdings eine Revolution. Denn die Umverteilung zwischen Arm und Reich, die eine der Säulen des heutigen Solidarsystems ist, wäre damit zu Ende. Der Staat müsste mit Steuergeld einspringen – vor allem für solche Versicherte, bei denen der 200-Euro-Kopfbeitrag mehr als 15 Prozent des Monatseinkommens ausmachen würde. Denn diese Kosten soll der Staat nach den Vorstellungen von Ökonom Henke übernehmen. Insgesamt wären dies 46 Milliarden Euro pro Jahr. Eine enorme Summe – allerdings werden bereits heute rund 40 Milliarden Euro zwischen Armen und Reichen, Kranken und Gesunden oder Singles und Familien umverteilt. Zudem hätte diese Reform den Vorteil, dass nicht nur Arbeitnehmer, sondern alle Bürger in das System einzahlen würden. Und der steigende Anteil älterer Menschen würde nicht zu neuen Beitragsexplosionen führen. brö

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