Wirtschaft : Regenerative Energie: Ostsee-Windparks könnten bald vier Atommeiler ersetzen

Gideon Heimann

"Wer Wind erntet, wird Strom verkaufen" lautet ein Sprichwort, das mit dem neuen Energieeinspeisungsgesetz und seinen Vergütungsgarantien einen noch stärkeren Wahrheitsgehalt bekommt. Schließlich weist diese regenerative Energieform schon seit einigen Jahren ein immenses Wachstum auf. Doch an Land sind schon viele Standorte mit hoher Windausbeute besetzt, überdies gibt es Ärger mit Naturschützern, wenn Nistplätze seltener Vögel gestört werden. Folgerichtig geht der Trend zum Wasser, zu Offshore-Windparks.

Anlagen mit einer Gesamtleistung von 8000 Megawatt (MW) sind für Ost- und Nordsee bereits beantragt, eine der ersten richtig großen Anlagen soll im Arkonabecken entstehen, zwischen Rügen und Bornholm. Der künftige Betreiber, die Future Energy AG aus Berlin, berichtete jetzt über Pläne, die Investitionen im Gesamtvolumen von 2,5 Milliarden Mark auslösen sollen. 172 Windmühlen zu je fünf MW Nennleistung (gesamt: 860 MW) sollen jährlich etwa 3200 Gigawattstunden (Milliarden Kilowattstunden) Strom an Land pumpen.

Die vollen 860 MW Leistung werden erreicht, sobald die Windgeschwindigkeit zwölf Meter pro Sekunde beträgt. Und dies soll an etwa 3800 der 8760 Stunden im Jahr möglich sein, denn auf See - 25 bis 45 Kilometer von Rügen entfernt - weht der Wind gleichmäßiger als an Land. Zwei Umspannwerke sollen die "Ernte" auf 150 000 Volt hochtransformieren, dann aber als Gleichstrom ins 87 Kilometer entfernte Lubmin senden. Dort besteht eine Einspeisemöglichkeit in Europas Hochspannungsnetz.

Neun Jahre lang erhalten die Betreiber die gesetzlich garantierten 17,8 Pfennig pro Kilowattstunde, danach 12,1 Pfennig. Die Investition könnte nach zehn Jahren amortisiert sein, danach dürften die Gestehungskosten auf vier bis sechs Pfennig die Kilowattstunde sinken, hieß es. Normale Wartung und Reparaturen vorausgesetzt, sei mit einer Lebensdauer dieser Anlagen von 20 bis 25 Jahren zu rechnen.

Installiert werden die rund 200 Tonnen schweren Generatorköpfe auf Betonmasten, denn dieses Material sei haltbarer als Stahl, hieß es. Die Masten werden an Land produziert - hierfür ist Mukrau im Gespräch. Im Mai wurde der Bauantrag gestellt, jetzt sind die "Träger der öffentlichen Belange", wie Behörden und Verbände im Gesetz genannt werden, zur Stellungnahme aufgefordert. Brockmöller rechnet damit, dass die Umweltverträglichkeitsprüfung im Frühsommer 2001 beginnt, dann könne Ende 2003 die Genehmigung erteilt werden. Die beiden Bauabschnitte würden 2005 und 2006 den Betrieb aufnehmen. Große Genehmigungsprobleme seien nicht zu erwarten, denn das Feld befinde sich außerhalb von Naturschutzgebieten und Seefahrtsrouten.

Die Ostsee mit einem maximalen Wellenschlag von acht Metern sei im Vergleich zur Nordsee ruhig, technische Komplikationen werden nicht erwartet. Würden die geplanten Anlagen mit insgesamt 8000 MW gebaut, ließen sich die nördlich gelegenen Kernkraftwerke ersetzen: Stade, Brunsbüttel, Unterweser und Emsland.

Das Kapital für die Vorhaben werde man durch Börsengänge hereinholen, allerdings immer erst dann, wenn das jeweilige Projekt baureif geworden ist. Hierdurch lasse sich das Anleger-Risiko niedrig halten, wurde betont.

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