Wirtschaft : Regenschirme

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PREIS DER WOCHE

Von Christian Gmelin

„Vergiss nicht, wenn du bei schönem Wetter ausgehst, den Schirm für das schlechte mitzunehmen“, dichtete der römische Satiriker Martial. Rund 30 Millionen Schirme (Foto: Imago) gehen hier zu Lande jedes Jahr über den Ladentisch. Das spricht weder für das deutsche Wetter, dessen Scheußlichkeit man in den letzten Wochen erleben konnte, noch für die Qualität der Regenschirme.

Ein Drittel des Umsatzes findet um die Weihnachtszeit statt. Der Regenschirm hat sich zum klassischen Geschenkartikel entwickelt. Und er ist ein zunehmend billiger „Wegwerfartikel“ geworden, wie der Vorsitzende des Verbandes deutscher Schirmfachgeschäfte, Willy Schüffler, beklagt. Kaum jemand sei noch bereit, im Großhandel mehr als vier Euro für einen Regenschirm hinzulegen. Der Schirm als Modeaccessoire - noch vor 40 Jahren unerlässliches modisches Attribut des feinen Herrn – ist passé. Nur wenige Kunden bezahlen noch 40 bis 90 Euro für einen qualitativ guten und kunstvollen Schirm aus dem Fachhandel. Wer einen Schirm kauft, achtet meist nicht darauf, wie dicht die Schirmseide gewoben, aus welchen Material der Griff oder wie solide das Gestell ist.

Der Schirm als Zeichen von Würde oder gar Vehikel für kulturelle Werte hat mit der zunehmenden Motorisierung ausgedient. Heute soll der Regenschirm vor allem funktional sein, um seinen Träger bei Regen ohne großen Schaden von der Haustür zum Auto zu geleiten.

Während noch in den 60er Jahren die berühmten Schirmmarken wie der „Knirps“ in Deutschland gefertigt wurden, hat sich mittlerweile fast die gesamte Produktion nach Fernost verlagert. Zumindest schließt sich damit ein Kreis: vor über viertausend Jahren wurde in China der Schirm erfunden – als praktisches Zubehör und nicht als kokettes Beiwerk zur Mode. Und zur Not kann man den Schirm ja auch als Sonnenschirm verwenden.

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