Wirtschaft : Regenwetter treibt Weizenpreis in die Höhe

Händler fürchten, dass das Getreide nur noch als Tierfutter taugt – womöglich wird nun Brot teurer

Frankfurt am Main - Die heftigen Regenfälle in Deutschland wirken sich zunehmend auf den Weizenpreis aus. Am größten deutschen Umschlagplatz in Hamburg war Brotweizen am Montag Händlern zufolge so teuer wie seit April 2008 nicht mehr. Die September-Lieferung verteuerte sich am Kassamarkt um drei Euro auf 240 Euro pro Tonne. „Wir hatten jetzt für fast vier Wochen Dauerregen, und die Leute sind ernsthaft besorgt, dass die Qualität der Weizenernte gelitten hat“, sagte ein Händler.

„Es sieht so aus, als ob eine größere Menge als angenommen nur noch als Futtermittel für Tiere taugt und die Ernte kleiner ausfällt als gedacht“, sagte ein anderer Marktteilnehmer. „Es geht derzeit in erster Linie um die Qualität des Weizens und dann erst um die Menge“, erklärte AMI-Marktanalystin Wienke von Schenk. Die Weizenernte in Deutschland, dem zweitgrößten Produzenten der EU, habe in diesem Jahr zu spät angefangen. Sie leide neben den überdurchschnittlichen Regenfällen im August unter der vorangegangenen Hitze und Trockenheit in den Monaten Juni und Juli.

„Inwieweit sich das alles auf die Preise beim Bäcker auswirkt, bleibt aber abzuwarten“, sagte von Schenck. Der finanzielle Anteil von Weizen am Brötchenpreis an der Ladentheke sei gering, deshalb könnten höhere Preise an den Terminmärkten nicht eins zu eins auf den Verbraucher übertragen werden.

Schlechte Wetteraussichten trieben den Preis für das Getreide auch an anderen Handelsplätzen in die Höhe. An der Börse Euronext in Paris verteuerte sich der Terminkontrakt zur Lieferung von einer Tonne Weizen im November um 2,4 Prozent auf 225,75 Euro je Tonne. Der September-Kontrakt für US-Weizen stieg in Chicago um 2,4 Prozent auf 6,78 Dollar je Scheffel. Händler nannten als Grund die Gefahr von Ernteausfällen im Westen Australiens und in Argentinien.

Zuletzt hatte die Jahrhundertdürre in Russland den Preis auf neue Höchststände getrieben. Die wochenlange Dürre wird zu deutlichen Einbußen in der Landwirtschaft führen. Analysten schließen nicht aus, dass Russland als einer der weltweit größten Produzenten Weizen in diesem Jahr sogar importieren muss.

Die Ernährungsindustrie machte derweil Finanzinvestoren für die Preisbewegungen verantwortlich. „Spekulanten haben an einigen Märkten (Kakao, Weizen) für drastische Rohstoffpreisanstiege gesorgt“, heißt es im Monatsbericht des Industrieverbandes BVE vom Montag. Man müsse noch abwarten, wie sich das auf die Preise auswirke. Der harte Wettbewerb im deutschen Einzelhandel habe bisher dafür gesorgt, dass die Deutschen weniger bezahlen mussten als Bürger in anderen Ländern Europas. rtr

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