Wirtschaft : Regierung drängt Banken, Walter Bau zu retten Verhandlungen stocken und könnten sich hinziehen

Moritz Döbler/Nicole Huss

Berlin/München - In den stockenden Verhandlungen über die Sanierung der Walter Bau AG hat die Bundesregierung eindringlich an die Banken appelliert, den Konzern zu stützen. „Ich hoffe, dass das positiv ausgeht. Es deutet vieles darauf hin, dass das Unternehmen in guter Verfassung ist, aber ein Liquiditätsproblem hat,“ sagte Wirtschafts-Staatssekretär Bernd Pfaffenbach dem Tagesspiegel. Die Gespräche seien „ziemlich schwierig“. Staatliche Bürgschaften seien schon wegen des EU-Wettbewerbsrechts ausgeschlossen, aber die Regierung versuche, in den Gesprächen auf eine Lösung hinzuwirken. „Da kann eine Regierung nicht die Hände in den Schoß legen.“ Mit Lieferanten und Subunternehmen seien 15000 bis 16000 Arbeitsplätze betroffen. Das Unternehmen selbst beschäftigt bundesweit rund 10000 Menschen.

Die Gespräche über eine Erhöhung der Kredite führten auch am Donnerstag nicht zu einem Ergebnis und könnten sich bis in die kommende Woche hinziehen. Ein Banker sagte, weitere Runden mit den Vorständen der 27 beteiligten Banken seien denkbar. Das Sanierungskonzept stoße weiter auf Kritik. „Es sind doch mehr als zwei Banken nicht einverstanden.“ Ein anderer Banker sagte, er habe „keine große Erwartung, dass die restlichen Banken noch umschwenken“. Höchstens massiver politischer Druck könne Walter Bau noch vor dem Insolvenzverfahren retten.

Weder Walter Bau noch die Deutsche Bank als Verhandlungsführerin wollten sich zum Stand der Gespräche äußern. Bisher galten die Berliner Bank, Landesbank Rheinland-Pfalz, ABN Amro, Dresdner Bank und die Allgemeine Kreditversicherung, die zusammen etwa 20 Prozent des Kreditvolumens repräsentieren, als Gegner des Sanierungskonzepts.

Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) äußerte sich am Rande der Baumesse in München zuversichtlich zur Zukunft des Konzerns: „Die werden weiter bauen.“ Es habe sich in den Verhandlungen „etwas Entscheidendes getan“; das werde am Freitag verkündet. Pfaffenbach hob als positiv hervor, dass die Banken die am Mittwoch abgelaufene Frist für eine Einigung verworfen haben. „Das Zeitlimit ist aufgehoben. Insofern besteht keine Eile. Aber jeder Tag zählt.“

Walter Bau steckt schon seit längerem in Schwierigkeiten: Der Konzern hat bereits über 12000 von einst 22000 Stellen streichen müssen. Bei den Banken, mit denen Walter Bau derzeit um die Verlängerung von Bürgschaften über 1,5 Milliarden Euro und einer Kreditlinie von 200 Millionen Euro ringt, ist von gravierenden Managementfehlern die Rede. Auch Firmengründer Ignaz Walter, gleichzeitig Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB), steht heftig in der Kritik. Das Unternehmen macht hingegen für seine prekäre Lage vor allem staatliche Auftraggeber verantwortlich, die ihre Rechnungen nicht schnell genug zahlten oder zu große Abschläge auf Baumängel geltend machten, allen voran die Deutsche Bahn.

Das Sanierungskonzept von Walter Bau sieht bisher vor, 400 Arbeitsplätze abzubauen, Firmenteile – darunter die profitable Dienstleistungstochter DSI – zu verkaufen, die Strukturen zu verschlanken und so insgesamt jährlich bis zu 60 Millionen Euro einzusparen. Um das Unternehmen vor dem Insolvenzverfahren zu bewahren, müssten entweder alle 27 Banken zustimmen oder die Befürworter auch die Bürgschaften und Kreditlinien der Gegner des Konzepts übernehmen.

Branchenkenner glauben, dass Walter Bau auch in dem Fall, dass die Banken das Sanierungskonzept des Unternehmens ablehnen, nicht vor dem Sommer Insolvenz anmelden müsste, da erst zu diesem Zeitpunkt die Bürgschaften der Banken auslaufen. Im Falle eines „außerordentlich großen Liquiditätsproblems“ könne die Insolvenz jedoch früher ausgelöst werden. Das Insolvenzrecht ist indes 1999 reformiert worden und bietet verbesserte Möglichkeiten der Sanierung. Die Walter Bau AG will im Februar ihre Jahresbilanz vorlegen.

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