Wirtschaft : Regierung erwartet nahen Aufschwung Studie: Deutschland ist 2010 ein Top-Standort

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Berlin Das deutsche Wirtschaftswachstum hat sich nach Ansicht des Bundesfinanzministeriums im zweiten Quartal deutlich verlangsamt. Nach einem Schub zu Jahresbeginn werde sich das Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen April und Ende Juni „vorübergehend deutlich abschwächen“, schrieb das Haus von Hans Eichel (SPD) am Donnerstag in seinem Monatsbericht Juli. Das Bundeskanzleramt geht aber davon aus, dass sich die Lage weiter bessern wird.

Nach einem überraschend starken Wachstum von einem Prozent zu Jahresbeginn hatte die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal offenbar nur stagniert, erklärten die Finanzexperten. Das hatte vor kurzem auch die Bundesbank angedeutet. Grundsätzlich bleibe die Tendenz aber aufwärts gerichtet, auch dank der noch immer starken Exportwirtschaft. „Von der Binnenkonjunktur gehen zwar auch leicht positive Signale aus, insgesamt scheint es sich hier zunächst aber nur um eine Stabilisierung und noch keine nachhaltige Besserung zu handeln.“ Allerdings könne der etwas stärkere Import ein Indiz dafür sein, dass es im Inland bergauf gehe.

Frank-Walter Steinmeier, Chef des Bundeskanzleramtes, sieht die deutsche Wirtschaft auf Wachstumskurs. Dies zeige etwa der in dieser Woche deutlich positiv ausgefallene ZEW-Konjunkturindex, sagte er dem Tagesspiegel. Die „wiedergewonnene Stärke der deutschen Wirtschaft“ sei schon länger Thema im Ausland. „Allmählich scheint sich auch im Inland herumzusprechen, dass der Erholungsprozess in vielen Branchen und Unternehmen läuft“, erklärte Steinmeier. Dies bestätige den langfristig angelegten Reformprozess der Bundesregierung.

Auch Holger Schmieding, Europa-Chefökonom der Bank of America, erwartet für das zweite Halbjahr eine Besserung der Lage. Die Wirtschaft werde im dritten und im vierten Quartal um 0,2 und 0,3 Prozent wachsen, sagte er. Ab 2006 werde es dann weiter bergauf gehen.

Derweil holt Deutschland im Standortwettbewerb auf. Einer Studie für das „Manager-Magazin“ zufolge könnte das Land bis 2010 in die Spitzengruppe europäischer Standorte aufsteigen. Voraussetzung dafür sei, dass in Deutschland flächendeckend die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich eingeführt wird und die Unternehmensteuern auf 25 Prozent sinken. Verfasst wurde die Studie von der Hochschule für Unternehmensführung WHU in Vallendar und der Standortberatung Contor in Hünxe.

Der Studie zufolge wird sich aus Investorensicht kein anderer EU-Staat in den kommenden fünf Jahren so stark verbessern wie Deutschland. Andere Länder, vor allem Großbritannien und Italien, verlören dagegen an Attraktivität. Dies liege vor allem an der Entwicklung der Lohnstückkosten, also dem Verhältnis von Lohnkosten zur Produktivität. In Deutschland sinken sie seit Jahren, während sie anderswo in Europa steigen. brö/cas

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