Wirtschaft : Regierung plant Vorsorge gegen Bankencrash

Finanzsektor soll gegen Krieg und Schocks gewappnet werden – Branche bestreitet Probleme durch Gewinneinbruch

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Frankfurt (Main) (ro/HB). Bundesregierung, Finanzaufsicht, Bundesbank, Börse und die Banken haben sich auf eine konzertierte Aktion geeinigt, um die Widerstandskraft des Finanzsektors gegen externe Schocks zu stärken. Dabei geht es zum einen um die unkalkulierbaren Risiken eines Irakkrieges oder von Terroranschlägen, aber auch um die Anfälligkeit einzelner Banken. Das bestätigten hochrangige Bankmanager und regierungsnahe Kreise dem Handelsblatt. Das Konzept soll laufend der Entwicklung an den Märkten und der geopolitischen Lage angepasst werden.

Erst am vergangenen Sonntag hatten sich Bundeskanzler Gerhard Schröder, Finanzminister Hans Eichel und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (alle SPD) mit den Spitzen der deutschen Kreditwirtschaft getroffen und unter anderem dieses Thema diskutiert. Die Zusammenkunft war ursprünglich vom Unternehmensberater Roland Berger arrangiert worden, um das Klima zwischen Regierung und Banken wieder zu verbessern. Dann wurden offenbar auch andere Themen auf die Tagesordnung gesetzt, auch die Frage, wie auf eine Kampagne gegen eine Bank reagiert werden könne. Vergangenen Herbst war die Commerzbank ins Gerede gekommen und hatte 20 Prozent ihres Aktienwertes eingebüßt. Bei früheren Treffen sei es über Terror und Kriegsgefahren hinaus auch um die Belastbarkeit des gesamten Finanzsystems gegangen, hieß es in Finanzkreisen.

„Man darf dem Treffen keine Dramatik beimessen, aber bloße Routine war es auch nicht“, sagt ein Insider. Beteiligt waren dem Vernehmen nach Josef Ackermann (Deutsche Bank), Dieter Rampl (Hypo-Vereinsbank), Bernd Fahrholz (Dresdner Bank), Jürgen Sengera (WestLB), Ulrich Brixner (DZ Bank), Hans Reich (Kreditanstalt für Wiederaufbau), Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle sowie Hans-Jürgen Schinzler von der Münchener Rück.

Die Lage in der Finanzbranche ist angespannt. Die Institute kämpfen mit Ertrags- und Strukturproblemen. Wertberichtigungen für faule Kredite, die Börsenflaute und enorme Kostenblöcke belasten die Bilanzen. Die Hypo-Vereinsbank musste nun zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen erheblichen Verlust von 820 Millionen Euro verkünden. Allein das Münchener Institut, die Dresdner und die Commerzbank dürften 2002 zusammen mit drei Milliarden Euro ins Minus gerutscht sein. Nur die Deutsche Bank konnte einen Gewinn von 3,5 Milliarden Euro ausweisen, bedingt aber durch hohe Erträge aus dem Verkauf von Beteiligungen.

Terror und böse Gerüchte

Dass die Institute aber vor dem Kollaps stehen, bestreitet Bundesbank-Mann Edgar Meister. „Einige Banken haben Ertrags- und Kostenprobleme, deshalb kann aber nicht von einer Bankenkrise die Rede sein.“ Die Bundesbank hat einen „Stresstest“ für die Banken simuliert und festgestellt, dass sie sogar eine noch schlechteres Wirtschaftslage verkraften. Obwohl Meister einräumt, „dass es für das eine oder andere Institut ernst werden kann, wenn 2003 noch einmal so wird wie 2002.“ Auch beim Bankenverband will man von einer Krise nichts wissen. Rating-Agenturen sehen die Sache gelassen. Das schließt nicht aus, dass die Bewertung einzelner Banken zurückgenommen wird. Für diese würde sich die Finanzierung dann verteuern und deren Probleme vergrößern.

Ein staatlich gestützter Notfallplan ist erst der letzte Ausweg. Ein erster Schritt bei einer Krise wären vermutlich Stützungsaktionen anderer Banken. Als die Nürnberger Schmidt Bank 2001 in die Bredouille geriet, gründeten Commerzbank, Deutsche Bank, Dresdner Bank und Hypo-Vereinsbank eine Art Auffanggesellschaft und verhinderten das Aus. Reicht das nicht, gibt es immer noch die Bundesbank. „Wenn sich durch ein äußeres Ereignis Probleme ergeben sollten, können sie sicher sein, dass wir dem nicht hilflos gegenüber stehen werden“, versichert Bundesbank-Aufseher Meister.

Wie wichtig Vorkehrungen für den Notfall aber sind, haben die Anschläge vom 11. September 2001 gezeigt. Die Angriffe hatten das internationale Finanzsystem unter hohen Druck gesetzt. Für kurze Zeit drohte sogar ein Kollaps. Damals sei niemand auf eine solche Katastrophe vorbereitet gewesen, darum gelte es jetzt, Pläne für ein koordiniertes Vorgehen zu entwerfen, hieß es in Regierungskreisen. Dazu gehörten ausgelagerte Notfallrechenzentren der Banken, Kommunikationspläne, aber auch Vorkehrungen für die Aufrechterhaltung der Liquidität im System.

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