Wirtschaft : Regierung stellt immer günstigere Prognosen

BONN (wei).Die Bundesregierung hat ihre Prognose für die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt leicht verbessert.Er rechne damit, daß es Ende des Jahres 350 000 Arbeitslose weniger geben werde als Ende 1997, sagte Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt am Dienstag in Bonn.Bislang war die Regierung von einem Rückgang um 300 000 ausgegangen.Im Jahresdurchschnitt werde es 4,3 Millionen Arbeitslose geben.Die "Trendwende am Arbeitsmarkt" ist damit nach Ansicht des Wirtschaftsministers eingetreten.In den neuen Ländern sei dies jedoch weitgehend auf zusätzliche staatliche Maßnahmen im zweiten Arbeitsmarkt zurückzuführen, gab Rexrodt zu.

Zufrieden zeigte sich der Minister auch hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung.Im 2.Quartal hatte die deutsche Wirtschaftsleistung im Jahresvergleich um knapp zwei Prozent zugenommen nach 3,8 Prozent im Quartal davor.Das bedeute "keine konjunkturelle Verlangsamung", betonte Rexrodt, sondern nur die Bereinigung der Sonderfaktoren, die zu Beginn des Jahres gewirkt hätten.Insgesamt liege die Entwicklung im ersten Halbjahr "voll in dem von uns prognostizierten Korridor" von 2,5 bis 3 Prozent Wachstum.1999 rechne er noch einmal mit einer leichten Beschleunigung der Entwicklung auf 3,1 Prozent.Die Regierung stützt ihren Optimismus auf eine ganze Reihe von günstigen Umständen.So hätten die Unternehmen in den letzten Jahren durch Rationalisierungen und Innovationen ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessert und weltweit Märkte zurückgewonnen.Auf den wichtigsten Absatzmärkten der deutschen Wirtschaft, insbesondere in Westeuropa, nehme die Nachfrage zu.Die gute Exportkonjunktur strahle inzwischen auch auf die Investitionen aus.In Bonn rechnet man damit, daß die Unternehmen in diesem Jahr bis zu 9,5 Prozent mehr für neue Maschinen und Anlagen ausgeben als 1997.Angesichts der hohen Kapazitätsauslastung müßten die Unternehmen weiter investieren.Allerdings wird der private Verbrauch auf absehbare Zeit hinter der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung zurückbleiben, glaubt Rexrodt.Neue Arbeitsplätze in nennenswertem Umfang erwartet die Regierung allerdings erst mittelfristig.Bei anhaltendem Wachstum von etwa 2,5 Prozent könnten bis zum Jahr 2002 etwa 700 000 neue Arbeitsplätze entstehen und die Zahl der Arbeitslosen auf 3,5 Millionen zurückgehen.Diese Perspektive hält die Regierung für realistisch.

Trotz der gestiegenen Auslastung der Fabriken gebe es noch Leistungsreserven, die Entwicklung von Kosten und Preisen ist nach Meinung der Regierung unproblematisch.Rohstoffe seien auf dem Weltmarkt ebenso preisgünstig zu haben wie Kapital, die Lohnkosten würden durch die jüngsten Tarifabschlüsse begrenzt.Die "Dynamik des Aufschwungs" könne allerdings durch eine Verschärfung der Krise in Ostasien beeinträchtigt werden, sagt der Minister.Die direkten Auswirkungen auf die deutschen Exporte seien aber gering.Nach Ostasien gehen nur fünf Prozent der deutschen Exporte.

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