Wirtschaft : Regierung will Kinder aus der Armut holen 2,8 Millionen Menschen leben von Sozialhilfe

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Wiesbaden/Berlin Eine steigende Zahl von Menschen in Deutschland lebt von Sozialhilfe. Vor allem Arbeitslose und Haushalte mit Kindern sind zunehmend auf die staatliche Stütze angewiesen, teilte das statistische Bundesamt am Montag mit. Ende 2003 bezogen insgesamt 2,81 Millionen Menschen Sozialhilfe. Das waren zwei Prozent mehr als im Jahr 2002. Die Zahl der Unter-18-Jährigen, die in Haushalten leben, die auf staatliche Unterstützung angewiesen waren, stieg um 6,2 Prozent auf mehr als eine Million.

Familienministerin Renate Schmidt bezeichnete die Entwicklung als „beunruhigend“. „Deshalb hat die Bundesregierung im Rahmen der Agenda 2010 dafür gesorgt, dass gering verdienende Eltern von 2005 an einen Kinderzuschlag erhalten, damit die Familien nicht wegen ihrer Kinder in das Arbeitslosengeld II abrutschen“, sagte sie dem Tagesspiegel. Ab 2005 sinkt das Arbeitslosengeld II, das Arbeitslose beziehen, die länger als ein Jahr keine Stelle haben, auf das Niveau der Sozialhilfe ab. Schmidt äußerte sich optimistisch zu den Folgen der Reform: „Damit werden wir viele Kinder und Jugendliche schrittweise wieder aus der Armut herausholen.“

„Die Reformen der Bundesregierung zielen zumindest auf die richtige Zielgruppe“, sagte Sozialforscher Peter Krause vom Berliner Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) dem Tagesspiegel. Die Hartz-Reformen sollen Arbeitslose wieder in Beschäftigung bringen. Arbeitlosigkeit ist der Hauptgrund für das Abgleiten in die Sozialhilfe, wie die Wiesbadener Statistiker mitteilten. Mittlerweile sind 47 Prozent der Sozialhilfeempfänger Arbeitslose. Im Jahr 2002 hatte ihr Anteil noch bei 43,5 Prozent gelegen.

Die Sozialhilfequote liegt in Ostdeutschland mit 3,1 Prozent fast auf dem Niveau der alten Länder, wo 3,2 Prozent der Menschen Sozialhilfe beziehen. Besonders hohe Sozialhilfequoten wiesen die Stadtstaaten Bremen (9,2 Prozent) und Berlin (7,7 Prozent) auf. avi/hmt

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