Wirtschaft : Regionalbank gerettet und verkauft

New York - Die Geschichte der viertgrößten US-Bank Wachovia hat am Freitag eine überraschende Wendung genommen: Vier Tage nach der angekündigten Notübernahme durch den Finanzkonzern Citigroup ist mit der US-Großbank Wells Fargo ein anderer Käufer aufgetaucht. Die Wachovia-Spitze stimmte der weit höheren Offerte im Wert von mehr als 15 Milliarden Dollar – umgerechnet knapp elf Milliarden Euro – zu und empfahl dies auch den Aktionären.

Die Citigroup steht damit vor einer Niederlage. Unterstützt vom staatlichen Einlagensicherungsfonds, hatte sie lediglich Teile der Bank übernehmen und dafür nur 2,2 Milliarden Dollar zahlen wollen. Mit Wachovia hatte sie eine grundsätzliche Vereinbarung, aber keine endgültige Abmachung getroffen. Der Staat hätte als Gegenleistung Citigroup-Aktien im Wert von zwölf Milliarden Dollar bekommen. US-Präsident George W. Bush hat das Geschäft bereits gebilligt.

Wells Fargo will die Übernahme von Wachovia ohne staatliche Hilfe stemmen. Zusammen sehen sich die beiden Häuser mit Kundeneinlagen von 787 Milliarden Dollar als Nummer eins der Branche in den USA. Das Bündnis schaffe „eines der stärksten Finanzinstitute der Welt“, sagte der erst seit Jahresmitte amtierende Wachovia-Chef Robert Steel. Das Filialnetz von Wells Fargo und Wachovia mit gemeinsam mehr als 10 700 Zweigstellen und 280 000 Mitarbeitern ergänzt sich: Wells Fargo ist besonders im Westen der USA stark, Wachovia eher im Osten und Südosten.

Das Geschäft bewertet Wachovia mit sieben Dollar je Aktie, was einem Aufschlag von fast 80 Prozent auf den letzten Schlusskurs entspricht. Die Wachovia-Aktie schoss zu Handelsbeginn auf das Niveau des Übernahmepreises hoch. Auch Wells-Fargo-Papiere gewannen rund zehn Prozent, doch die Aktie der Citigroup fiel um rund zehn Prozent. An den Börsen wurde die Entwicklung als positiv gewertet, weil sie Hoffnungen nährt, dass es in der Finanzbranche trotz der Krise nicht zu einem Ausverkauf um jeden Preis kommen muss. dpa/AFP

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