Wirtschaft : Regionalbörsen: US-Stars sucht man am besten in Frankfurt

Susanne Schmitt

Wer sich die Aktien Cisco Systems oder Philip Morris ins Depot legen will, muss längst nicht mehr in den USA einkaufen. So haben sich einige Regionalbörsen in Deutschland auf den Handel mit ausländischen Papieren spezialisiert. An der Berliner Börse etwa sind alle Aktien der US-Technologiebörse Nasdaq gelistet. Nach wie vor ist in Berlin nach Angaben von Börsensprecherin Eva Klose das Angebot an amerikanischen Werten am größten. Da sich Berlin aber mehr an Privatanleger mit relativ kleinen Orders wendet, ist das Umsatzvolumen naturgemäß nicht so hoch.

Bei den bekannten Aktien hat die Frankfurter Wertpapierbörse die regionalen Wettbewerber mittlerweile in Deutschland überflügelt. Im vergangenen Jahr ist der Handel mit amerikanischen Aktien laut Orderbuchstatistik um über 150 Prozent auf rund 53 Millionen Euro gestiegen. Die meistgehandelten Papiere waren dabei AMC, Cisco Systems, IBM, Microsoft und Philip Morris. Im Monat werden durchschnittlich 2,6 Millionen Geschäfte abgewickelt. Beim Online-Broker Comdirect heißt es: "Die meisten Kunden geben bei US-Aktien Frankfurt als gewünschten Handelsplatz an."

Vor Jahren haben Freimakler die Nische Auslandsaktien entdeckt und damit geworben, den Handel zu günstigen Bedingungen - und zwar ohne die teuren Auslandsspesen - abzuwickeln. Viele Online-Broker bieten Wertpapiergeschäfte im Ausland zwar inzwischen vergleichsweise preiswert, zum Teil mit Pauschalen, an. Nachrechnen lohnt sich trotzdem. Anfallende fremde Spesen werden in der Regel weiterbelastet. Manche Direktbanken erheben auf Geschäfte mit US-Papieren einen Sonderzuschlag. Dazu kommt das Währungsrisiko, dass ein Privatanleger in der Regel nicht absichert, weil es sich für die relativ kleinen Geschäfte nicht lohnt.

Um den Fans den Handel im Inland noch schmackhafter zu machen, lockt die Deutsche Börse mit einem neuen Angebot. Ab September sollen alle Werte des US-Leitindex Dow Jones, dem Nebenwerte-Segment S & P 100, dem Technologie-Index Nasdaq 100 und dem Dow Jones Global Titans 50, also insgesamt rund 200 Aktien, auf dem Computerhandelssystem Xetra verfügbar sein. Xetra dominiert heute in Deutschland schon den Handel in Dax-Werten.

"Das wird eine interessante Sache werden", meint auch Ali Cavli, Händler bei der Maklergesellschaft Finacor Rabe. Finacor Rabe fungiert als einer der so genannten "Marktmacher" in dem neuen Segment "Xetra US-Stars". Die Marktmacher haben sich verpflichtet, kontinuierlich verbindliche An- und Verkaufspreise im Wert von mindestens 50 000 Euro in das System einzustellen und so für Liquidität zu sorgen. Damit soll ein Markt simuliert werden. Ein Käufer oder Verkäufer hat also immer eine Gegenseite. Dem Anleger wird eine geringe Spanne von drei Prozent bei den meisten Aktien garantiert. Nach diesem Prinzip funktioniert zum Beispiel die Technologiebörse Nasdaq. Neben Finacor Rabe werden auch die US-Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley als Marktmacher auftreten, ebenso die Baader Wertpapierhandelsbank aus München und die Maklerfirma Seydler.

Der Vorteil von Xetra gegenüber dem Freiverkehr liegt nach der Ansicht von Experten in der weit größeren Transparenz. Ständig aktualisierte An- und Verkaufspreise sollen für faire Preise garantieren. Im Freihandel in Deutschland liegt es im Prinzip am Makler, dem so genannten Skontroführer, wann ein Kurs entsteht. Dieser entscheidet nach dem Blick in sein Orderbuch, ob er den Handel ausführt und zu welchem Preis.

Bei einem Wertpapiergeschäft im Xetra-Computer fällt außerdem die Makler-Courtage weg. Nach Einschätzung von Claudia Nagel von der Seydler AG ist es ein "genialer Schachzug" der Deutschen Börse, jetzt die großen Werte in den Computerhandel zu überführen. Für Nebenwerte wird es laut Nagel weiterhin den Parketthandel geben. Seydler arbeitet aber nur für institutionelle Kunden. Der Handel auf Xetra lässt sich bequemer abwickeln, sagt Nagel.

Die Liebhaber der amerikanischen Star-Aktien sollten vor der Order genau hinschauen, an welchem Börsenplatz die Liquidität in dem gewünschten Papier am größten ist. Für ausländische Spezialpapiere wird sich der Computerhandel auch in Zukunft nicht lohnen, diese werden Kleinanleger weiterhin an den Parkettbörsen im Inland günstiger handeln können.

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