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Regionaltochter der Deutschen Bank : Die Berliner Bank verschwindet vom Markt

Die Berliner Bank wird Ende 2017 Geschichte sein: Die Konzernmutter, die Deutsche Bank, hat im Zuge ihres Sparprogramms entschieden die Marke aufzugeben. Das trifft in Berlin 600 Mitarbeiter und 300.000 Kunden.

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Die Marke "Berliner Bank" ist Ende 2017 Geschichte.
Die Marke "Berliner Bank" ist Ende 2017 Geschichte.Foto: Mike Wolff

Stefanie Salata hatte so viel vor. Fünf Millionen Euro hat die Chefin der Berliner Bank zuletzt noch in die Modernisierung der Filialen ihres Instituts gesteckt. Die Zweigstellen sollten innovativer werden und gemütlicher – mit weichem Teppich, Kaffeebar und Beratung per iPad. Am Hackeschen Markt hatte Salata noch vor einem Jahr eine neue Filiale eröffnet, um gezielt Gründer als Kunden zu gewinnen. „Ich stehe für Veränderung“, hatte sie gesagt – und wohl nicht geahnt, was auf sie und ihr Institut zukommt.

Denn seit Mittwoch steht fest: Die Marke Berliner Bank ist bald Geschichte. Bis Ende 2017 geht sie im Konzern der Deutschen Bank auf, der die Regionaltochter seit neun Jahren gehört.

Bei der Berliner Bank arbeiten derzeit 600 Mitarbeiter

Für Berlin ist das ein Einschnitt. Seit 65 Jahren gibt es die Berliner Bank in der Stadt. Heute hat sie gut 300.000 Kunden, beschäftigt 600 Mitarbeiter. In einem Brief, der in diesen Tagen an die Kunden der Bank rausgeht, schreibt Salata von der „tiefen Verbundenheit“ mit Berlin. Die hatte sie auch in den letzten zwei Jahren, also seit sie die Geschäftsleitung des Instituts übernommen hat, immer wieder betont. Fragte man sie noch vor ein paar Monaten, verteidigte sie die Daseinsberechtigung der Berliner Bank vehement – auch oder gerade innerhalb eines großen Konzerns wie der Deutschen Bank. Die Mitarbeiter ihres Hauses seien näher am Kunden, würden die Besonderheiten des Berliner Marktes besser kennen und der Konzernmutter durch den starken Fokus auf die Region keine Konkurrenz machen.
Heute klingt das ganz anders.

„Mittlerweile haben wir nahezu das gleiche Produktangebot“, sagt sie. Mit anderen Worten: Es macht keinen Unterschied, ob ein Kunde zur Berliner Bank oder zur Deutschen Bank geht. Die Konditionen fürs Girokonto und der Dispozins sind identisch, auch vertreibt die Berliner Bank längst in erster Linie Anlageprodukte der Deutschen Bank – nur dass eben ein anderer Name drauf steht.

Die Kunden werden von der Deutschen Bank übernommen

Deshalb bemüht sich Salata am Mittwoch auch zu betonen, dass sich für die Kunden durch den Wegfall der Marke „Berliner Bank“ wenig ändert. Die Deutsche Bank soll sie in den nächsten zwei Jahren automatisch übernehmen. Noch nicht einmal ihre Kontonummer müssen die Kunden dafür ändern – nur ist das Logo ihrer Bank künftig eben nicht mehr gelb sondern blau. „Wir versuchen, den Übergang so behutsam wie möglich zu gestalten“, sagt Salata.

Sie selbst kennt beide Seiten: die der Berliner Bank, die sie seit 2013 leitet, und die der Deutschen Bank, bei der sie zuvor Karriere gemacht hat. Deshalb weiß sie auch um die Not, aus der heraus nun die Entscheidung für die Streichung der Marke Berliner Bank gefallen ist.

Die Konzernmutter Deutsche Bank steckt in einer tiefen Krise, sie muss dringend sparen. Der neue Chef John Cryan hat bereits angekündigt, insgesamt 9000 Stellen abbauen zu wollen und 200 Filialen zu schließen. Jede Abteilung, jede Zweigstelle wird auf Sinnhaftigkeit und Rentabilität überprüft. Eine kleine Regionalmarke wie die Berliner Bank kann und will man sich da nicht mehr leisten.

Wie viele Filialen in Berlin erhalten bleiben, ist offen

So wird der Schritt offiziell auch damit begründet, dass man „Strukturen vereinfachen, Komplexität reduzieren und die Effizienz erhöhen“ will. Die Filialen der Berliner Bank werden deshalb in den nächsten zwei Jahren in Zweigstellen der Deutschen Bank umgewandelt. Zusammen haben die beiden Häuser derzeit 80 Filialen in der Stadt. Ob es bei dieser Zahl bleiben wird, ist aber vollkommen offen.

Auch ist nicht klar, was der Wegfall der Marke für die Mitarbeiter der Berliner Bank bedeutet. Schließlich will die Deutsche Bank einerseits Stellen abbauen. Andererseits investiert sie auch in Berlin: So hat sie zum Beispiel gerade erst ein „Innovation Lab“ in der Stadt eröffnet, in dem der Konzern zusammen mit Start-ups neue Produkte entwickeln will. Auch das Risikomanagement, das in Berlin angesiedelt ist, wächst: Allein in diesem Bereich sollen derzeit 150 Stellen offen sein. Doch ob man die mit klassischen Filialmitarbeitern besetzen kann?

Experten haben daran Zweifel. Frank Wolf von der Gewerkschaft Verdi fordert daher den „Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen“ für den Standort. Harald Eisenach, Vorsitzender der Geschäftsleitung Ost bei der Deutschen Bank, sagt zumindest: „Berlin ist und bleibt wird für die Deutsche Bank ein wichtiger Standort.“

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