Wirtschaft : Regulierer entscheidet über Ortsnetz-Gebühren

Telekom-Konkurrenten befürchten teure Anschluß-Übernahme BERLIN/BONN (dw).Die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation hat am Montag entschieden, wieviel die Deutsche Telekom ihren Konkurrenten für die Überlassung des Teilnehmeranschlusses berechnen darf.Die mit Spannung erwarteten Zahlen sollen am heutigen Dienstag veröffentlicht werden.Damit bekommen die neuen Anbieter von Ortsgesprächen zum ersten Mal seit der Marktöffnung des Telekommunikationsmarktes am 1.Januar Klarheit über ihre zu erwartende Kostenstruktur: "Die Höhe dieser Preise ist für die Markteintritts-Chancen der privaten Wettbewerber im Ortnetzbereich entscheidend", mahnte der Präsident des Bundeskartellamtes, Dieter Wolf, am Wochenende: "Ich appelliere daher an meine Kollegen aus der Regulierungsbehörde, eine mutige Entscheidung für den Wettbewerb zu treffen."Die von der Telekom geforderte monatliche Summe von 28,80 DM (plus einmalig 265 DM) war nicht nur von den großen Konkurrenz-Unternehmen Mannesmann Arcor und Otelo als zu hoch abgelehnt worden: Der Preis liege sogar über jenen 24,60 DM, die der Verbraucher monatlich für seinen Anschluß zu zahlen hat, kritisierte auch Kartellamtspräsident Wolf: "Faktisch würden die Preisvorstellungen des Monopolisten Deutsche Telekom zu Preisen führen, mit denen die Newcomer sich sehr schwer tun, möglicherweise nicht arbeiten können." Der Telekom würde es gelingen "die Einführung von Wettbewerb im Ortsnetz weiter hinauszuzögern", so Wolf weiter: Die Regulierungsbehörde tue daher gut daran, mit ihrer Gebührenentscheidung "ein deutliches Startsignal für die Privaten zu geben, flächendeckend, ich betone flächendeckend im Ortsnetzbereich gegen das Monopol der Deutschen Telekom anzutreten."Die Gebühr soll ein Entgeld dafür sein, daß ein neuer Telefon-Anbieter gewissermaßen "die Wandbuchse im Wohnzimmer des Kunden" von der Telekom übernimmt und in eigener Regie weiterführt.Eine eindeutige Berechnung dieser Gebühr ist schwierig.Die Telekom behauptet, daß die 24,90 DM, die jeder Telefonkunde monatlich für seinen Anschluß zahlt, nicht kostendeckend sei und nur über die Gesprächsgebühren ausgeglichen werde.Wenn ein neuer Anbieter den Anschluß von der Telekom übernehme, müsse die Gebühr für diesen also höher sein und mindestens 28,80 DM betragen.Die neuen Telefon-Anbieter befürchten, diesen aus ihrer Sicht überzogenen Preis auf die Kunden abwälzen zu müssen und damit gegenüber der Telekom nicht mehr konkurrenzfähig zu sein.Sie halten eine Monatsgebühr von unter 20 DM für angemessen.Dieser Streit hat nichts mit jenen 49 DM "Preselection-Gebühr" zu tun, die die Telekom dafür verlangen will, wenn ein Telefonkunde dauerhaft zu einem neuen Anbieter von Ferngesprächen wechselt: Zwar gab es auch hierzu am Montag eine Anhörung bei der Regulierungsbehörde.Die Statthaftigkeit dieser Forderung soll aber erst im April entschieden werden.Was die 28,80 DM für die Übernahme eines Teilnehmer-Anschlusses angeht, habe die Deutsche Telekom diesmal eine sehr viel transparente Begründung vorgelegt, als in der Vergangenheit, sagte der Sprecher der Regulierungsbehörde, Harald Dörr am Montag.Ob sich der Leiter der Regulierungsbehörde, Klaus-Dieter Scheurle, davon hat überzeugen lassen, wird sich erst am heutigen Dienstag bei der Präsentation seiner Entscheidung herausstellen.Bemerkenswert ist jedoch, daß Scheurle bereits eine erste unabhängige Studie in Auftrag gegeben hat, die die Kostenstruktur der Telekom im Ortsnetzbereich eindeutig quantifizierbar machen soll.Das "Kostenmodell" des Wissenschaftlichen Instituts für Kommunikationsdienste ist bereits zur Kommentierung und Diskussion im Internet veröffentlicht (Stichwort "Aktuelles" auf der Homepage der Regulierungsbehörde: www.regtp.de).Wenn die Studie abgeschlossen ist, ist nicht auszuschließen, daß Scheurle seine Gebührenentscheidung im Lichte der neuen Erkenntnisse revidieren muß.Die Wissenschaftler gehen jedenfalls davon aus, daß die wahren Kosten der Telekom - damit die Zulässigkeit ihrer Gebührenforderung - nur schwer zu ermitteln ist.Das Rechenmodell, das für Fairness unter den Anbietern für Ortsgespräche sorgen soll, braucht als Input mehr als 40 Variablen.

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