Wirtschaft : Regulierer verbietet Billig-Tarife der Telekom

BONN/BERLIN (aho/dw).Die Deutsche Telekom darf Ortsgespräche am Abend nicht für drei Pfennig pro Minute anbieten.Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RTP) untersagte dem Fernsprechriesen am Dienstag die geplante Tarifsenkung.Zur Begründung hieß es, es handele sich um Dumpingpreise.Dagegen genehmigte die Behörde einen Minutenpreis für Regional- und Ferngespräche zwischen 21 und 6 Uhr von sechs Pfennig.Telekom-Konzernsprecher Jürgen Kindervater nannte die Entscheidung in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel "unverständlich und ärgerlich".

RTP-Präsident Klaus-Dieter Scheurle begründete in Bonn die Entscheidung damit, daß die Ortstarife der Telekom nicht kostendeckend seien.So verlangt der Ex-Monopolist bereits 2,5 Pfennig als Interconnection-Gebühr.Das ist der Preis, den die Wettbewerber an die Telekom zahlen müssen, wenn sie ihr Netz nutzen wollen.Dazu kommen aber noch zusätzliche Kosten, etwa für die Abrechnung.Ein Preis von drei Pfennig sei daher nicht kostendeckend und somit Dumping, meinte Scheurle: "Die Telekom kann von ihren Wettbewerbern nicht hohe Preise und von den Endkunden niedrige verlangen." Telekom-Konkurrenten könnten gegen die Tiefstpreise nicht bestehen, der freie Wettbewerb sei gefährdet.

Nach dem Beschluß der Behörde bleibt es vorerst bei dem bisherigen Preis von zwölf Pfennig für ein Gepräch von vier Minuten.Inzwischen bieten allerdings Wettbewerber wie etwa die Düsseldorfer Telefongesellschaft Isis auch Ortsgespräche zum Minutenpreis von einem Pfennig an.Scheuerle sagte dazu, daß die Behörde nicht die Preise der Wettbewerber genehmigen muß, sondern nur die Tarife der Telekom.Eine Quersubventionierung sei dem Fernsprechriesen allerdings verboten.Gleichzeitig genehmigte die Regulierungsbehörde die geplante Preissenkung für innerdeutsche Ferngespräche auf sechs Pfennig pro Minute in der Zeit nach 21 Uhr.Die Telekom will diesen Tarif ab dem 1.April anbieten.Bleibt es bei den Ortstarifen bei den jetzigen 12 Pfennig würden in Deutschland erstmals Ferngespräche billiger als Ortsgespräche.

Auf einer Pressekonferenz im Vorfeld der Computermesse Cebit in Hannover kündigte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom AG, Ron Sommer, allerdings an, wahrscheinlich dem Vorschlag des Regulierers zu folgen und den Ortstarif am Abend statt auf drei, auf vier Pfennig zu senken.Den Dumpingvorwurf wies Sommer entschieden zurück.Schon heute berechne die Telekom praktisch den gleichen Preis, nämlich 12 Pfennig für vier Minuten.Man sei daher davon ausgegangen, auch ein genau einminütiges Gespräch mit drei Pfennig berechnen zu dürfen.Sommer zeigte sich zuversichtlich, die Preissenkung langfristig durchzusetzen: "Unser Ziel bleibt drei Pfennig je Minute, da kommen wir auch hin."

Telekom-Sprecher Jürgen Kindervater ergänzte in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel, er halte die Entscheidung der Regulierungsbehörde für "ärgerlich und unverständlich".Die Telekom habe mit den günstigen Abendtarifen Kunden ins Netz holen wollen, wenn die Leitungen am wenigsten ausgelastet seien.Es sei eine unakzeptable Einschränkung der unternehmerischen Freiheit, wenn diese sinnvolle Geschäftsstrategie einfach untersagt werde.Die Ankündigung der Telefonfirma Debitel vom Dienstag, alle Telekom-Tarife zukünftig um 15 Prozent unterbieten zu wollen, wertete Kindervater als Beleg dafür "wie haltlos der Dumpingvorwurf ist".Vorstandschef Ron Sommer nannte den Debitel-Vorstoß "selbstmörderisch".Niemand könne voraus sehen, wieweit die Telekom die Preise noch senken werde.

Mit der Tarifsenkung will die Stuttgarter Debitel den Telekom-Tarifen kontern.Alle Preise des Marktführers würden zum 1.April um mindestens 15 Prozent unterboten, bekräftigte Vorstandschef Joachim Dreyer im Vorfeld der CeBIT.So können Kunden, die fest über Debitel telefonieren (Pre-Selection) zwischen 21 und sechs Uhr bereits für fünf Pfennig pro Minute Gespräche führen.In der übrigen Nebenzeit liegen die Tarife bei zehn Pfennig, in der Hauptzeit bei 20 Pfennig je Minute.

Der Deutsche Verband für Post- und Telekommunikation (Offenbach) forderte die Telekom auf, die Preise für Ortsgespräche zu senken.Außerdem dürfe es keine unterschiedlichen Gebühren für Telefongespräche, die Übertragung von Telefaxen und Daten sowie für den Internet-Zugang geben.Technisch handele es sich immer um die gleiche Leistung der Telekom.

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