Wirtschaft : Regulierungsbehörde fühlt sich bestätigt

BONN (dri/HB/dpa).Ein halbes Jahr nach Öffnung des Telekommunikations-Marktes für den Wettbewerb sind inländische Ferngespräche bis zu 70 Prozent günstiger als Ende vorigen Jahres, sagte der Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, Klaus-Dieter Scheurle, in einer Halbjahresbilanz am Mittwoch in Bonn.

Über 90 Lizenzen für Telefondienste seien inzwischen erteilt worden, berichtete die Regulierungsbehörde.Die neuen Anbieter hätten inzwischen ein Gesprächsvolumen von knapp 30 Mill.Minuten am Tag.Rund 113 Unternehmen betätigten sich bundesweit als Verbindungsnetzbetreiber mit einer eigenen Zugangskennzahl.Trotz des Wettbewerbs sei aber auch das Gesprächsvolumen der Telekom weiter gestiegen.Bei den Angeboten der neuen Wettbewerber gehe es überwiegend um Ferngespräche, sagte Scheurle.In diesem Bereich erreichten sie einen Anteil am Gesamtaufkommen der täglichen Gesprächsminuten von fast zwölf Prozent.Vor allem die Call-by-Call-Angebote, bei denen Anrufer nur durch das Wählen einer Vorwahl über einen neuen Anbieter telefonieren können, würden rege genutzt.Der komplette Wechsel für alle Ferngespräche zu einer neuen Telefongesellschaft, Preselection, ist dagegen nach wie vor die Ausnahme.

In der Auseinandersetzung der Telekom mit mehreren Stadtwerke-Gesellschaften um die Netzzusammenschaltung (Interconnection) hat Scheurle den Eindruck, daß die Telekom die Verhandlungen verschleppt."Die Telekom zieht in Zweifel, daß es Verbindungsnetzbetreiber gibt", so Scheurle."Wir sind jedoch der Auffassung, daß es sie gibt." Verbindungsnetzbetreiber haben nach dem Telekommunikationsgesetz Anspruch auf die vom Regulierer festgesetzten Interconnection-Tarife von durchschnittlich 2,7 Pfennig, während reine Wiederverkäufer höhere Gebühren an die Telekom zahlen müssen.

Während Scheurle mit dem Wettbewerb bei Ferngesprächen "mehr als zufrieden" ist, rechnet er im Ortsnetzbereich erst Ende des Jahres mit nennenswerter Konkurrenz für die Telekom.Zuerst müßten die Kosten, die die Telekom ihren Wettbewerbern für den Teilnehmeranschluß berechnen darf, feststehen, betonte Scheurle.Diese Entscheidung der Regulierungsbehörde soll bis zum 17.August fallen.

Für die Zunahme von Wettbewerb im Ortsnetz dürften künftig aber vor allem Richtfunkfrequenzen interessant werden, meint der Vizepräsident der Behörde, Arne Börnsen.Mehrere US-Gesellschaften interessierten sich bereits für diese Frequenzen, um unabhängig von Telekom-Leitungen in den deutschen Markt einzusteigen.Gerade für den Wachstumsmarkt Datendienste und Internet-Anwendungen könne Richtfunk interessant werden.

Scheurle sagte, die Entwicklung in den ersten sechs Monaten zeige, daß der Wettbewerb "eindrucksvoll in Gang gekommen ist".Der Telekommunikations-Standort Deutschland sei nach seiner Einschätzung der attraktivste in Europa.Einen neuen Wettbewerbsschub erwarte die Regulierungsbehörde beim Mobilfunk, nachdem die Tarife dort in Bewegung gekommen seien.Dazu werde auch der Eintritt des neuen Betreibers E 2 in diesem Herbst beitragen.Die Zahl der Mobilfunk-Kunden bei D 1, D 2 und E-Plus habe bereits seit Jahresbeginn um 29,5 Prozent auf über 10,1 Millionen zugenommen.

"So schnell wie möglich" will die Regulierungsbehörde laut Börnsen auch dahin kommen, Lizenzen für den neuen Mobilfunkstandard UMTS zu vergeben.UMTS soll ab dem Jahr 2002 den heutigen GMS-Standard ablösen und vor allem die Datenübertragung über Mobilfunk vereinfachen und beschleunigen.Im Spätherbst werde die Regulierungsbehörde einen Workshop mit potentiellen Lizenzbewerbern und Geräteherstellern veranstalten, kündigte Börnsen an.

Der Telekommunikationsmarkt werde in diesem Jahr ein Volumen von 100 Mrd.DM erreichen, sagte Scheurle.Das Wachstum im Bereich Telekommunikation betrage in Europa derzeit acht Prozent, in Deutschland bei den Telefondiensten zehn Prozent.Nach Einschätzung der Branche würden in diesem Jahr noch 91 000 neue Arbeitsplätze in der Informationswirtschaft entstehen, nach 102 000 Stellen bereits in den beiden vorigen Jahren.Mittelfristig werde der Arbeitsplatzabbau bei der Telekom durch Beschäftigungszuwächse bei den neuen Wettbewerbern überkompensiert.

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