Wirtschaft : Reiche Ernte

Privatanleger können von steigenden Rohstoffpreisen profitieren

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Knappes Gut. Der Preis für Mais stieg im vergangenen Jahr um 45 Prozent. Der Rohstoff wird auch für Biosprit verwendet. Foto: ddp  Foto: ddp
Knappes Gut. Der Preis für Mais stieg im vergangenen Jahr um 45 Prozent. Der Rohstoff wird auch für Biosprit verwendet. Foto: ddp Foto: ddp

Der hohe Ölpreis lockt derzeit Anleger mit der Aussicht auf hohe Gewinne: Erstmals seit 2008 kostet ein Barrel Öl wieder mehr als hundert Dollar. Wegen der anhaltend großen Nachfrage aus China, des hohen Verbrauchs der USA, der stabilen Konjunktur und der Krise in Nordafrika erwarten viele Experten einen weiteren Preisanstieg. „2011 wird die Rohöl-Nachfrage dank des dynamischen Wachstums der Schwellenländer ein Rekordniveau erreichen“, sagt Jörg Uhlendorf, Kapitalmarktexperte der Commerzbank. Vor der Finanzkrise, im Juli 2008, stand der Ölpreis bei mehr als 145 Dollar pro Barrel.

Der Aufschwung zieht auch andere Rohstoffe mit und macht sie für Anleger attraktiv. Wenn Öl teuer ist, sind es auch Gas und Kohle. Und auch die Preise für Kupfer, Blei, Baumwolle, Kautschuk und für fast alle Nahrungsmittel haben in den vergangenen Monaten, seit die Weltwirtschaft wieder an Fahrt gewonnen hat, angezogen. Die Chinesen haben einen wichtigen Anteil an den steigenden Preisen. „Bei Rohstoffen sind die Chinesen die entscheidenden Nachfrager, sie haben weltweit den höchsten Verbrauch von Kupfer, Nickel, Zink und Aluminium“, sagt Frank Schallenberger, Rohstoff-Analyst der LBBW.

Doch die Rohstoffmärkte sind auch starken Schwankungen unterworfen. Auch hier ist Öl ein gutes Beispiel. In der Krise brach der Ölpreis auf knapp 35 Dollar pro Barrel ein. Und nicht alle Rohstoff-Experten gehen davon aus, dass der derzeitige Preisanstieg weiter anhalten wird. Einige sprechen von einem Strohfeuer und erwarten schon bald wieder Ölpreise von 90 oder 80 Dollar. Auch die anderen Rohstoffe könnten bei einer Abkühlung der Weltwirtschaft wieder zurückfallen.

Rohstoffe werden an Warenterminbörsen gehandelt, etwa das Chicago Board of Trade (CBOT) oder der London International Financial Futures Exchange (LIFFE). Dort tummeln sich neben neben Anbietern wie Agrarkonzernen und Nachfragern etwa aus der Industrie auch Banken und Hedge-Fonds, die mit den Rohstoffen spekulieren. Sie kaufen Kontrakte zu einem festgesetzten Preis, die aber erst Monate später fällig werden. Während dieser Zeit können sie von sinkenden oder steigenden Preisen profitieren.

Wer als Privatanleger in Rohstoffe investieren möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Eine ist, Aktien oder Anleihen von Rohstoffkonzernen wie zum Beispiel Exxon Mobil zu kaufen, oder auch Aktienfonds, die in verschiedene Unternehmen aus dem Bergbau-, Agrar- oder Energiesektor investieren. Allerdings hängen die Aktien dieser Unternehmen nur indirekt von den Rohstoffpreisen ab.

Wer direkt von der Preisentwicklung der Rohstoffe profitieren will, kann zu Zertifikaten oder breiter gestreuten Rohstoff-Fonds greifen. Ein Kunde, der in Öl investieren will, kann ein Zertifikat wählen, für das die Bank dann Öl-Kontrakte an den Warenterminbörsen kauft. Hierbei wird häufig kritisiert, dass die Gebühren intrasparent sind. Die Fonds bilden anders als die Zertifikate mehrere Rohstoffe ab. Anleger können zwischen aktiv gemanagten Rohstoff-Fonds oder Exchange Traded Funds (ETFs), die eine vorher festgelegte Zusammensetzung von Rohstoffen abbilden, wählen. Die gemanagten Fonds sind durch ihre Gebühren jedoch deutlich teurer als die ETFs. „Fonds eignen sich für Erstanleger, weil sie das Risiko mindern“, sagt Schallenberger. Denn sie sind breiter gestreut. Zertifikate bergen zudem ein höheres Risiko als die Fonds, weil sie rechtlich gesehen als Inhaberschuldverschreibungen behandelt werden und deshalb eine niedrigere Bonität haben. Sollte die Bank pleitegehen, fließt das angelegte Geld in in die Konkursmasse ein. Bei den Fonds wird die Anlage als Sondervermögen behandelt und ist bei einer Pleite der Bank geschützt.

Weiterhin können Anleger Rohstoffe auch physisch erwerben. Sinn macht das zum Beispiel bei Gold, Silber, Palladium oder Platin – zum Beispiel in Form von Münzen oder Barren.

Rohstoffe haben im Vergleich zu Aktien den Vorteil, dass sie nicht so stark von der Stimmung am Markt getrieben sind und sich auch gegenläufig entwickeln können. „Wenn der Ölpreis wegen der Konjunktur fällt, muss das die eher konjunkturunabhängigen Agrarrohstoffe nicht berühren“, sagt Schallenberger. Ein Nachteil besteht aber darin, dass Rohstoffe anders als Aktien oder Anleihen keine Dividenden oder Zinsen abwerfen. „Bei Rohstoffen zählt allein die Wertentwicklung“, sagt Schallenberger.

Die meisten Experten gehen derzeit noch nicht von einer Überhitzung der Rohstoffmärkte aus. Der Commerzbank-Kapitalmarktexperte Uhlendorf erwartet, dass sich Investitionen in Rohstoffe weiterhin lohnen. „Schon früh im aktuellen Konjunkturzyklus steigen die Preise einzelner Rohstoffe. Dies lässt auf geringe freie Kapazitäten schließen.“ Auch Analyst Schallenberger ist zuversichtlich. „Wer daran glaubt, dass China weiter so stark wächst, ist mit Rohstoffen gut beraten.“

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