REICHE LÄNDER : Streit unter den starken Sechs

Das neue Kerneuropa, das beim Krisenmanagement den Takt vorgibt, umfasst Deutschland, Frankreich, Österreich, Luxemburg, Finnland und die Niederlande. Das sind jene sechs der insgesamt 17 Staaten mit dem Euro als Zahlungsmittel, die den internationalen Ratingagenturen als uneingeschränkt kreditwürdig gelten. Diese Gruppe der Reichen fand sich im vergangenen Jahr zusammen, als sich wenige Monate nach Gründung des Euro- Rettungsschirms herausstellte, dass die abgegebenen Kreditgarantien aller anderen Länder, die eben nicht das Gütesiegel AAA tragen, nichts wert waren.

Auch nach der Neuverhandlung des Rettungsschirms, in dessen Verlauf sich die Finanzminister dieser Gruppe mindestens zwei Mal separat trafen, ist der Kontakt weiter intensiv. „Wir sind in sehr, sehr engem Kontakt mit den Deutschen“, sagt etwa ein niederländischer Diplomat, dessen Land ebenfalls massives Interesse an einer Privatgläubigerbeteiligung am zweiten Griechenlandpaket hat.

Auch ein finnischer Diplomat spricht „von enger Abstimmung“ innerhalb der Sechsergruppe. „Leider bestehen weiter große Differenzen.“ Das ist aktuell der eingeplante Beitrag von Banken, Fonds und Versicherern, auf den vor allem Deutschland dringt, den aber zum Beispiel Finnland für technisch kaum durchführbar und dadurch auch für verzichtbar hält. Einig sind sich die Repräsentanten der sechs jedenfalls darin, dass „niemand sauber aus der Krise herauskommen wird, aber hoffentlich so wenig dreckig wie nur möglich“, wie der Finne sagt. Innerhalb der Gruppe haben Deutschland und Frankreich weiter eine Sonderrolle. Paris, das „traditionell als Anwalt der mediterranen Länder auftritt“, so ein EU-Diplomat, halte sich auffallend zurück – auch weil es „nicht zu stark mit den kriselnden Südländern in Verbindung gebracht werden will“. chz

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