Wirtschaft : Reichelt muß weitere Filialen schließen

Verändertes Sortiment und besserer Service sollen die Umsätze wieder ankurbeln BERLIN (ssg)."Die Situation ist schwierig, der Silberstreif am Horizont ist noch nicht zu erkennen." Der Vertreter der deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz traf mit seinem Ausspruch die Stimmung bei der Hauptversammlung der Otto Reichelt AG.Die Lebensmittelkette hatte in den vergangenen Jahren verstärkt unter dem schlechten Konsumklima und dem verschärften Wettbewerb in Berlin zu leiden.Reichelt mußte im vergangenen Jahr zwei Filialen wegen Unwirtschaftlichkeit schließen, zwei weitere werden Ende Juni in Magdeburg und Wittenberg zugemacht.Damit ist Reichelt noch nicht über den Berg: Gefährdet sind die Filialen in Gräfenhainichen in Sachsen-Anhalt und in der Oderbruchstraße in Berlin."Genaues steht noch nicht fest, aber die schlechte Ertragslage weist darauf hin, daß wir die Filialen schließen müssen", sagte Vorstandschef Joachim Schmidt den Aktionären.Um die Schwierigkeiten zu verdeutlichen, mit denen die Branche kämpft, zitierte Schmidt eine Studie der Konsumforschungsgesellschaft AC Nielsen, derzufolge die Umsätze im Lebensmitteleinzelhandel im vergangenen Jahr lediglich um 0,4 Prozent gestiegen sind.In Berlin, wo Reichelt mehr als 80 Prozent seiner Umsätze erwirtschaftet, ging der Branchenumsatz sogar um 2,2 Prozent zurück.Im Anbetracht des gedrückten Konsumklimas und der Umsatzrückgänge seien die Probleme der Reichelt-Kette sogar noch erträglich, darin waren sich Schmidt und der Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz einig.Die Reichelt AG, an der die Edeka Handelsgesellschaft Minden-Hannover mit mehr als 60 Prozent Mehrheitseigentümerin ist, mußte im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang von 2,4 Prozent auf 1,45 Mrd.DM hinnehmen.Das Ergebnis vor Steuern fiel um neun Prozent auf 21,9 Mill.DM.Der Jahresüberschuß verminderte sich um fast 25 Prozent auf 9,3 Mill.DM.Die Hauptversammlung stimmte der Verringerung der Dividende von 0,90 DM auf 0,70 DM bei einer Präsenz von knapp über 68 Prozent bei 100 Gegenstimmen zu.Wie Reichelt angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen wettbewerbsfähig bleiben will, war die Frage, die die Anteilseigner am meisten interessierte.Schmidt erklärte, Reichelt werde auf verbesserten Service und ein Sortiment setzen wird, das sich den veränderten Konsumgewohnheiten anpaßt.In zehn Filialen werde diese Strategie bereits mit Erfolg getestet, zehn weitere sollen 1998 dem neuen Konzept entsprechend umgebaut werden.Für das laufende Jahr sind zudem zwei Neueröffnungen geplant.Im Backwarengeschäft, das in der 100prozentigen Tochtergesellschaft Otto Thürmann AG zusammengefaßt ist, sehe man noch Potential.16 Bäckereien und 20 Backwarenshops in Supermärkten sind geplant.Die Otto Thürmann AG, die im vergangenen Jahr 3,7 Mill.DM Verlust auswies, soll 1998 erstmals eine schwarze Null erzielen.Die Überlegung, die erweiterten Öffnungszeiten an einigen Standorten zurückzunehmen, stieß auf Kritik der Aktionärsvertreter: "Reichelt hätte das Nachsehen, wenn Sie die Schraube wieder zurückdrehen."

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