Wirtschaft : Reifenhersteller Continental löst MLP im Dax ab

Conti-Vorstand erwägt trotz Sparkurs neue Zukäufe und erwartet, dass Fonds 100 Millionen Euro in die Aktie investieren werden

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Berlin (anw). Nach der Wiederaufnahme des Autozulieferers und Reifenherstellers Continental in den deutschen Aktienindex (Dax) erwägt das Unternehmen neue Zukäufe. Dies erklärte Vorstandschef Manfred Wennemer am Mittwoch. „Wenn sich die Möglichkeit zum richtigen Preis und für das richtige Objekt ergibt, dann haben wir dafür die finanziellen Mittel.“ Zwar stehe konkret nichts an, „aber wir halten die Augen offen“. Nach der Akquisition des Bremsenherstellers Teves und der Elektroniktochter Temic sei nun ein Zukauf im Reifengeschäft denkbar. Am bisherigen Sparkurs hält Wennemer aber fest: „Wir werden unsere Strategie nicht ändern. Das heißt: Wachsen, Schulden runter und ordentliche Ergebnisse erzielen.“

Am Dienstagabend hatte die Deutsche Börse entschieden, Conti wieder in den Dax aufzunehmen. Vor sieben Jahren war das Unternehmen schon einmal im EliteIndex notiert gewesen, ist dann aber in den Mittelwerte-Index M-Dax abgestiegen. Es ist das erste Mal, dass ein Unternehmen die Rückkehr in den Dax geschafft hat. Im Gegenzug hat der Finanzdienstleister MLP seine Dax-Notierung verloren. Das Unternehmen habe „die Kriterien für einen Verbleib im Dax nicht mehr erfüllt“, teilte die Börse mit. Der Kurs von MLP war in der Vergangenheit rapide gefallen, außerdem wurden dem Heidelberger Unternehmen Bilanzmanipulation und Insiderhandel vorgeworfen.

Conti rechnet nach der Entscheidung der Börse mit einem Kursanstieg. Er sehe ein Potenzial von bis zu 40 Prozent, sagte Finanzvorstand Alan Hippe. Rolf Woller, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank, hält dieses Ziel zwar für „sportlich“, innerhalb der nächsten zwei Jahre sei es jedoch realistisch. „Mittelfristig gehen wir aber erst einmal von 24 Euro je Aktie aus“, sagte Woller. Am Mittwoch schloss die Conti-Aktie mit einem Plus von 1,47 Prozent bei 22,85 Euro. Darüber hinaus rechnet Conti-Chef Wennemer damit, dass Fonds, die den Dax abbilden und deshalb bestimmte Aktien in ihrem Portfolio halten müssen, etwa 100 Millionen Euro in Conti-Papiere investieren. Analyst Woller zufolge stelle sich allerdings die „Frage, wie kurserheblich das ist“.

Neben Conti war auch die Telekom-Tochter T-Online als Dax-Nachfolger für MLP im Gespräch gewesen. Am Mittwoch sank der Kurs des Unternehmens bis zum Handelsende um 2,16 Prozent auf 9,97 Euro. Der Kurs von MLP hingegen behauptete sich trotz des Abschieds aus der Börsenelite. Der Grund: Die Anleger hatten mit dem Abstieg gerechnet. Am Mittwoch lag der Kurs bei 13,25 Euro – ein Plus von 1,53 Prozent.

Die Deutsche Börse hat auch die Zusammensetzung anderer Indizes geändert. So rückte die Comdirect Bank anstelle von Teleplan International in den M-Dax auf. In den Tec-Dax kamen Freenet, Süss Microtech und Teles, während sich Medigene, Nordex und Plambeck Neue Energien verabschieden mussten. Die neue Zusammensetzung der Indizes wird zum 22. September wirksam.

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