• Reisebüros drohen Lufthansa mit Boykott Streit um Streichung der Provisionen für Flugtickets spitzt sich zu

Wirtschaft : Reisebüros drohen Lufthansa mit Boykott Streit um Streichung der Provisionen für Flugtickets spitzt sich zu

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(ebe/HB). Im Kampf um günstigere Vertriebskosten stößt die Lufthansa weiter auf erbitterten Widerstand der Reisebüros. Viele der knapp 600 Agenten protestierten am Mittwoch auf einer Tagung in Frankfurt (Main) lautstark gegen die Pläne der Fluggesellschaft, die Nullvergütung durchzusetzen. In einer Resolution kündigten die ReisebüroVertreter an, vom 16. bis zum 18. Februar keine Reservierungen bei der Lufthansa tätigen zu wollen.

Klaus Laepple, Präsident des Branchenverbands DRV, warf der Lufthansa vor, Verluste aus Fehlinvestitionen auf die Reisebüros abwälzen zu wollen. Konkret nannte er die defizitäre Catering-Tochter LSG Sky Chefs sowie die Touristik-Beteiligung Thomas Cook. „Lufthansa sucht jemanden, der für die Gesamtzeche mit aufkommt. Dafür werden wir uns nicht hergeben“, sagte Laepple.

Bisher erhalten Reisebüros nach Berechnungen des DRV eine durchschnittliche Provision von 6,5 Prozent. Setzt die Lufthansa ihren Änderungsvertrag durch, entfallen die Provisionszahlungen ab 1. September 2004. Statt dessen sollen Agenturen künftig eine Servicegebühr vom Kunden einfordern. Branchenkreisen zufolge kann Lufthansa ihre Vertriebskosten damit um mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr senken.

Lufthansa-Vorstand Thierry Antinori sagte, der rasante Wandel in der Reisebranche mache die Einsparungen erforderlich. Er verwies auf die Expansion der Billigfluglinien, auf sinkende Preise und steigende Kosten. „Irgendwann waren die internen Effizienzsteigerungen erschöpft, und wir mussten das Thema Vertrieb nachhaltig anfassen“, sagte Antinori. Lufthansa sieht sich zudem unter Druck, weil Billigflieger wie Ryanair generell keine Provisionen zahlen und Nettopreise in vielen anderen Ländern bereits üblich sind. Die schwer unter Druck stehenden Reisebüros sehen sich durch den Wegfall der Provisionen existenziell bedroht: In den USA etwa sei rund ein Drittel der einst 33 000 Vertriebsstellen vom Markt verschwunden, sagte der DRV-Präsident.

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