Reisekosten-Skandal? : Neuer Verdacht gegen Middelhoff

Die Staatsanwälte interessieren sich bei ihren Untreue-Ermittlungen gegen den früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff nicht mehr nur für dessen Immobiliengeschäfte.

Essen/Düsseldorf - Die Staatsanwälte interessieren sich bei ihren Untreue-Ermittlungen gegen den früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff nicht mehr nur für dessen Immobiliengeschäfte. Bei einer Visite der Ermittler in der Essener Arcandor-Zentrale am vergangenen Mittwoch sei es auch um die auffällig hohen Reisekosten Middelhoffs gegangen, berichtet der „Spiegel“. Sprecher des Insolvenzverwalters und der Bochumer Staatsanwaltschaft bestätigten den Besuch der Justiz. Das siebenköpfige Ermittlerteam sei mehrere Stunden vor Ort gewesen.

„Wir sind noch dabei, Fakten zu sammeln und uns einen Überblick zu verschaffen“, hieß es. Es gehe aber nicht nur um Middelhoff und nicht nur um dessen Immobiliengeschäfte, die Anlass der Ermittlungen waren. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hatte bereits im vergangenen Jahr auf den erheblichen Spesenaufwand des Vorstands von Arcandor hingewiesen. Allein 2006 soll Middelhoff über 800 000 Euro verflogen haben. Dem Vernehmen nach soll er sogar für eine Strecke von 86 Kilometern einen Jet genutzt haben.

Laut „Spiegel“ hätten die Ermittler zudem Interesse an einem mit 1,5 Millionen Pfund dotierten Vertrag gezeigt, den Arcandor Ende Januar 2008 mit der Universität Oxford abgeschlossen hatte. 715 000 Pfund seien noch kurz vor der Arcandor-Insolvenz überwiesen und von Middelhoff an seinem vorletzten Arbeitstag abgezeichnet worden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Juli 2009 gegen ihn. Anlass war ein Immobiliengeschäft, das vor seinem Einstieg als Aufsichtsratschef bei Arcandor getätigt wurde, an dem er aber persönlich beteiligt ist. Dabei hatte Middelhoff Anteile an einem Fonds gekauft, der dem Konzern Gebäude für Karstadt-Warenhäuser vermietet hatte.

An diesem Montag versammeln sich die Gläubiger in Essen, um dem Insolvenzplan für Karstadt zuzustimmen. Die Pleite der Karstadt-Warenhäuser hat derweil den Steuerzahler rund 650 Millionen Euro gekostet. Das berichtet die „Wirtschaftswoche“ und beruft sich auf einen Bericht des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg. Die Steuerbehörden machen dem Bericht zufolge rund 500 Millionen Euro an Forderungen geltend, auf 108 und 78 Millionen Euro belaufen sich demnach die Ansprüche der Arbeitsagentur und Sozialkassen aus Insolvenzgeldzahlungen an Karstadt-Mitarbeiter. Bei einer geplanten Rückzahlungsquote von drei Prozent seien aber lediglich Rückzahlungen von rund 21 Millionen Euro an die Behörden zu erwarten, heißt es in dem Bericht. dpa/AFP

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