Wirtschaft : Reisen: Brüssel will Flugkunden helfen

Thomas Gack

Der Flug war gebucht, bezahlt und von der Fluggesellschaft bestätigt. Doch beim Einchecken hieß es plötzlich: "Sorry, wir sind überbucht. Wir haben Sie auf den nächsten Flug gesetzt". Doch wer drei Stunden später fliegen soll, braucht manchmal gar nicht mehr abzuheben, weil die Reise sinnlos ist.

Rund 250 000 Passagieren widerfahren solche Unannehmlichkeiten jedes Jahr auf Europas Flughäfen. Überbuchungen gehören inzwischen zum Alltag. Im Kampf um die Rückkehr zu schwarzen Zahlen wollen die Fluggesellschaften sichergehen, dass ihre Flugzeuge restlos ausgelastet sind - und überbuchen deshalb rücksichtlos. Umgekehrt werden auch immer mehr Flüge kurzfristig abgesagt, weil sich absehen lässt, dass die Maschinen halbleer sind.

"Viel zu viele Europäer erleben eine böse Überraschung, wenn sie auf dem Flughafen ihren Flug antreten wollen", sagt EU-Kommissarin Loyola de Palacio, die in Brüssel für die Verkehrspolitik zuständig ist. Deshalb hat die EU-Kommission jetzt Vorschläge vorgelegt, die künftig die Rechte der Fluggäste verbessern und die Fluggesellschaften stärker zur Verantwortung ziehen sollen. Zudem soll es auch saftige Entschädigungen für abgewiesene, schlecht behandelte Flugkunden geben.

In der EU besteht zwar schon seit 1991 eine Regelung, die den wegen Überbuchung zurückbleibenden Passagieren ein finanzielles Trostpflaster verschafft: 150 Euro bei Flügen bis zu 3500 Kilometer, 300 Euro für verpasste Langstreckenflüge. Künftig sollen diese finanziellen Entschädigungen aber, so fordert die EU-Kommission, verfünffacht werden: 750 Euro, wenn ein Passagier auf einem überbuchten Flug bis 3500 Kilometer nicht mitkommt, 1500 Euro bei Langstreckenflügen. Die Fluggesellschaften sollen zudem künftig im Fall von Überbuchungen als erstes mit großzügigen Angeboten unter den Passagieren Freiwillige suchen, die auf ihre Buchung verzichten und die Verzögerung ihrer Reise aus freien Stücken hinnehmen - gegen entsprechende Entschädigungen. Zusätzlich zu diesem finanziellen Ausgleich sollen die Fluggäste, die zurückbleiben müssen, die Wahl haben, sich entweder den Ticket-Preis zurückzahlen zu lassen, oder aber sich auf einen späteren Flug umbuchen zu lassen. Während sie auf den Weiterflug warten, müssen sie je nach Dauer der Wartezeit entsprechend bewirtet und eventuell über Nacht in einem Hotel untergebracht werden. Im Unterschied zu der derzeit schon geltenden Regelung von 1991 sollen diese Rechte auch auf die Passagiere von Charterflügen angewandt werden.

Bisher mussten Passagiere, deren Flüge annuliert wurden oder die lange Verspätungen hinnnehmen mussten, von den Fluggesellschaften nicht entschädigt werden. Das soll künftig anders werden, meint die EU-Kommission. Sie schlägt deshalb vor, dass Reisende, deren Flüge abgesagt werden, die gleichen Entschädigungen erhalten wie bei Überbuchungen. Bei Verspätungen sollen die Fluggäste entweder die Möglichkeit erhalten, auf einen anderen Flug umzusteigen oder aber das Geld für ihr Ticket zurück zu erhalten.

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