Wirtschaft : Reisen im Ramadan

Tewe Pannier

Kranke, Schwangere und Reisende dürfen das Fasten im Ramadan unterbrechen. Karim, mein fastender Geschäftspartner, ist nicht schwanger und nicht krank, aber heute verreisen wir! Endlich ein Schluck Wasser an diesem Tag nach zwei Wochen Durst? Endlich ein Imbiss zum Mittag statt Hunger bis zum Sonnenuntergang? „Nein“, sagt Karim entschlossen auf dem Weg zum Flieger nach Amman. „Es ist ja eine kurze Reise, und die Gelehrten sagen, nur bei großer Mühe darf man das Fasten unterbrechen.“

Den Mann, den wir in Amman besuchen wollen, treffen wir nach Iftar, also nach dem Fastenbrechen gegen 22 Uhr. Er heißt Khaled und hat drei Freunde und deren Frauen zum Treffen eingeladen. Praktisch: Seine drei Freunde heißen auch alle Khaled. Unpraktisch: Vor lauter Khaleds finden wir keine Zeit, über unser Geschäft zu reden.

Am nächsten Morgen am Flughafen fügt es sich, dass der Rückflug auf unserem Ticket gar nicht existiert. Wir nehmen ein Taxi durch die Wüste zum Toten Meer. „Nächste rechts zu Jesus Taufstelle“, wirbt ein Schild. Später noch eins: „Nächste links zu der echten Taufstelle von Jesus.“

Am Toten Meer ein riesiger Hotelkomplex. Vier Pools terrassenartig bis zum Ufer, guter Blick nach Israel auf der anderen Seite. Karim kommt nicht mit in die Pool-Landschaft. „Ein Wassertropfen auf meinen Lippen würde das Fasten brechen!“ Dann die Idee: Ab ins Tote Meer, ideal zum Abkühlen in der Fastenzeit! In der Salzlake schwimmt Karim immer oben, das Wasser kann die Lippen nicht erreichen!

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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