Wirtschaft : Reisen Online: Mit Fernbedienung auf großer Fahrt

Robert Ide

Die Deutschen sind die Weltmeister. Sie sammeln Überstunden ohne Ende, lesen viele Bücher und trinken das meiste Bier. Damit die Welt vom fleißigen Völkchen erfährt, bereist es den Globus. Fast 100 Milliarden Mark gaben deutsche Haushalte im vergangenen Jahr für die Erholung vom Konsumstress aus. Die Türkei ist schon wieder ausgebucht, der Trend geht zum Dritturlaub.

Wen wundert es da, dass die Touristikkonzerne so langsam verrückt spielen. Mit Investitionen in Milliardenhöhe wollen sie ihre Reisen auf allen Kanälen verkaufen. Lufthansa möchte in fünf Jahren jedes vierte Flugticket im Internet absetzen, per Wap-Handy soll der Passagier seinen Platz im Flugzeug bekommen. Nach dem Willen von C & N-Touristik soll es sogar mit der Fernbedienung auf große Fahrt gehen. Der Privatsender TM 3, bisher als Frauen-, Fußball- und Jugendkanal gescheitert, wird zum Reisekanal umgebaut. Morgens gibt es Live-Schaltungen von der Trauminsel, mittags das Urlaubsschnäppchen dazu. Schnell online gebucht, und schon kann man abends abheben. Das Leben kann so leicht sein.

Aber war da nicht was? Hat nicht gerade die Telefonbranche voller Begeisterung horrende Summen in neue Vertriebswege gepulvert? Was daraus geworden ist, weiß jeder Kleinaktionär. Irgendwie klingt das alles nach Stress. Und gerade den wollen wir doch beim Reisen vergessen. Vielleicht verdirbt uns die bunte Flimmerei die Abenteuerlust. Wenn die schöne, neue Urlaubswelt live ins Wohnzimmer kommt, kann man auch gleich zu Hause bleiben und Bier trinken. Oder mal was lesen.

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