Wirtschaft : Reiseriesen warten auf Post vom Kartellamt

Die Weichen sind gestellt / Dertour und LTU in einem Boot DÜSSELDORF (ek/HB/dpa).Der Vorstandsvorsitzende der Preussag, Michael Frenzel, erwartet, daß das Bundeskartellamt in den nächsten Tagen die Übernahme des Touristikunternehmens Hapag-Lloyd durch die Preussag und damit der Anteile an der Touristik Union International (TUI) genehmigt.Die dafür erforderliche Voraussetzung, daß die an Preussag zu 34 Prozent beteiligte Westdeutsche Landesbank (WestLB) ihre Beteiligung an der Düsseldorfer Flug- und Touristikgruppe LTU vor einem späteren Verkauf zunächst an einen Treuhänder abgibt, stehe unmittelbar bevor, betonte Frenzel. Wie Frenzel weiter in einem Interview mit dem Touristik-Fachblatt "fvw international" erklärte, wolle der Preussag-Konzern seine künftige Touristiksparte mit Hapag-Lloyd und TUI als eigenständigen Gesellschaften ausbauen.Spekulationen, daß Hapag-Lloyd zerschlagen werden sollte, seien "völlig falsch".Vielmehr sollten beide Marken gestärkt und gepflegt werden.Im "integrierten Touristikkonzern" würden die beiden Unternehmen zwar einen Verbund bilden, aber ihre operative Selbständigkeit behalten, betonte Frenzel.So könne weder der Carrier den Reiseveranstalter dominieren noch der umgekehrte Fall eintreten, versicherte der Preussag-Chef. Preussag werde bestrebt sein, über die mit Hapag-Lloyd erworbenen TUI-Anteile (30 Prozent) hinaus weitere Pakete an dem Hannoveraner Reise-Riesen zu erwerben.Dabei stehe der Kauf der Anteile der WestLB (30 Prozent), die Preussag bisher die Stimmrechte übertragen hat, "auf der Zeitachse sicher ganz vorne".Danach werde man auch mit der Schickedanz-Gruppe und der Deutschen Bahn verhandeln: "Ob und wieviel wir kaufen, hängt vor allem vom Kaufpreis ab." Bisher gebe es aber noch keine konkreten Verhandlungen, hieß es.Die Gespräche würden erst nach dem Kartellamtsbeschluß beginnen und dann von Hapag-Lloyd geführt.Über die künftigen Führungsstrukturen im neuen Preussag-Geschäftsfeld Tourismus wollte sich Frenzel gegenüber "fvw" noch nicht äußern.Er erklärte lediglich, daß der amtierende Vorstandschef von Hapag-Lloyd, Bernd Wrede, "selbstverständlich in die Führungsstruktur des Konzerns integriert" werde. Nach weiteren Informationen von "fvw" wollen der Frankfurter Reiseveranstalter Dertour und die LTU Touristik ein Gemeinschaftsunternehmen gründen.Die Bahn-Tochter Dertour und die Düsseldorfer Touristik-Gruppe hätten in der vergangenen Woche eine grundsätzliche Einigung über die Gründung einer gemeinsamen Firma unter dem Arbeitstitel "Dertour Flugreisen" getroffen, heißt es.Gemeinsam solle für Dertour ein klassisches Pauschalreiseprogramm zu den sogenannten Warmwasserzielen mit Schwerpunkt Mittelmeer und Kanarische Inseln aufgebaut werden.Aufsichtsräte und Kartellamt müßten aber noch zustimmen, hieß es. Dertour - mit 1,7 Millionen Gästen Deutschlands viertgrößter Veranstalter - war bislang auf Fernreisen und Bausteinangebote spezialisiert.Der Reiseboom zu den Sonnenzielen hatte Dertour 1997 schwer zu schaffen gemacht.Der seit Jahresbeginn zu 100 Prozent der Deutschen Bahn AG gehörende Anbieter war deshalb auf Partnersuche gegangen.Die Touristik-Gruppe LTU steht auf Platz drei der deutschen Veranstalter-Rangliste und erwirtschaftete mit ihren Veranstaltern 1996/97 rund 3,1 Mill.DM Umsatz bei 2,3 Millionen Gästen. Dem Bericht zufolge ist noch nicht entschieden, wieviele Anteile die Unternehmen jeweils an der Firma halten sollen und wie die Kosten- und Ertragsverteilung aussieht.Der Firmensitz solle in Düsseldorf sein.Allerdings hatte das Bundeskartellamt ebenfalls gegenüber "fvw" erklärt, es beurteile das Projekt als "problematisch, solange die Bahn noch ihre TUI-Beteiligung hält".Es wird allerdings schon seit längerem über einen Verkauf der Anteile, die die Deutsche Bahn derzeit noch an TUI hält, spekuliert.Nach Informationen der "Welt am Sonntag" will Bahn-Chef Johannes Ludewig noch im Frühjahr über einen Verkauf entscheiden.Die Deutsche Bahn hält direkt und über ihre Tochter DER jeweils zehn Prozent an dem Hannoveraner Reiseriesen.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar