Reiseverband sieht Millioneneinbußen : Lufthansa verprellt Kunden mit Ticketgebühr

Nach der Einführung einer neuen Ticketgebühr muss die Lufthansa angeblich Einbußen von bis zu 600 Millionen Euro verkraften. Der Reiseverband sagt, Lufthansa verprelle die wichtigsten Kunden. Die Airline bestreitet das.

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Laufen Lufthansa die Kunden wegen 16 Euro Ticketgebühr davon?
Laufen Lufthansa die Kunden wegen 16 Euro Ticketgebühr davon?Foto: dpa

Im September hat die Lufthansa eine Gebühr eingeführt für jeden Ticketkauf, der nicht über ihre eigene Website erfolgt. Angeblich sind dem Unternehmen dadurch erhebliche Marktanteile und Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe verloren gegangen, behaupten jetzt der Deutsche Reiseverband (DRV) und der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR).

Immer mehr Privat- und Geschäftsreisende, vor allem aber Firmen wendeten sich von der Lufthansa ab und buchten bei anderen Airlines, seitdem die Airline die sogenannte Distribution Cost Charge (DCC) von 16 Euro erhebt, sagte VDR-Präsident Dirk Gerdom am Montag in Frankfurt. Lufthansa-Sprecher Boris Ogursky bestreitet diese Angaben. „Bei der allgemeinen Buchungsentwicklung haben wir keine Rückgänge zu verzeichnen“.

In Deutschland sei der Anteil der Lufthansa bei Geschäftsreisen von 50 auf 45 Prozent gesunken, weltweit bei allen Buchungen um etwa zehn Prozent, sagt Gerdom. Allein im Geschäftsreiseverkehr in Deutschland entspräche dies Umsatzeinbußen von schätzungsweise mehr als 600 Millionen Euro. Nach Angaben von Ogursky sei dagegen kein Wegsteuern bei den Buchungen von der Lufthansa erkennbar, dafür sei häufiger über die Webseite der Lufthansa gebucht worden.

„Allein im deutschen Markt hat sich der Anteil der verkauften Tickets über den Online-Eigenvertrieb LH.com im Jahresvergleich um durchschnittlich sechs Punkte auf 37 Prozent erhöht.“

"Lufthansa handelt nach Gutsherrenart"

DRV und VDR dagegen werfen der Lufthansa vor, mit der Gebühr die wichtigste Kundengruppe der Geschäftsreisenden zu verprellen, nach „Gutsherrenart“ zu handeln und Firmen einem Preisdiktat auszuliefern. Deutsche Unternehmen würden dadurch mit 100 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich belastet. Man sei zwar weiter in Kontakt mit Lufthansa, aber ernsthafte Gespräche habe es zuletzt im Sommer gegeben, nachdem die Lufthansa die Einführung der DCC bekannt gegeben und die beiden Verbände heftig protestiert hatten.

Jetzt prüfen DRV und VDR nach Angaben von Gerdom auch rechtliche Schritte. DDC verstoße gegen EU-Recht und führe die Kunden in die Irre, weil es keine Vergleichbarkeit der Preise gebe. Zudem gefährde die Lufthansa die Sicherheit von Personen und Daten. Bei Buchungen direkt über die Lufthansa-Seite hätten die Firmen keine Hoheit mehr über die Daten ihrer Mitarbeiter. Zudem sei im Krisenfall nicht feststellbar, wo sie sich genau aufhielten, um schnell die Rückreise zu organisieren. Und letztlich führe die Gebühr zu steigenden Ticketpreisen, sagen die beiden Verbände.

Nach Angaben von Gerdom buchen jüngsten Umfragen zufolge 70 Prozent deutscher Unternehmen wegen der Gebühr keine Lufthansa-Flüge mehr oder haben die Absicht, dies künftig nicht mehr zu tun. 75 Prozent der Reisebüros, Online-Portale und Reiseveranstalter berichteten von einem stark veränderten Buchungsverhalten ihrer Kunden - weg von Lufthansa zu anderen Fluggesellschaften.

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