Reiseziele : Was der Katalog verschweigt

Bevor man eine Reise plant, sollte man einen Blick ins Internet werfen: Wie sich Reisende über Hotels und Flüge informieren können.

Anieke Walter
Baggern – nicht nur am Pool. Baulärm kann jeden Urlaub vermiesen. Aber auch Schnellstraßen oder Betonburgen trüben die Urlaubsfreude.
Baggern – nicht nur am Pool. Baulärm kann jeden Urlaub vermiesen. Aber auch Schnellstraßen oder Betonburgen trüben die...Foto: IMAGO

Nie war es leichter, sich in den Urlaub zu träumen. Am Mittwoch beginnt in Berlin die weltgrößte Reisemesse, die ITB. Weltenbummler und Urlaubshungrige können sich in den Messehallen bequem Kataloge, Prospekte und Flyer von Zielen aus aller Welt besorgen. Doch bevor man seine Reise plant, sollte man einen Blick ins Internet werfen und nachschauen, wie es an dem Traumstrand oder dem süßen, gemütlichen Hotel wirklich aussieht. Manchmal erlebt man Überraschungen. Wir haben die Probe gemacht.

BILDERDIENST

Wir planen eine Städtereise nach Lissabon. Auf dem Buchungsportal Expedia.de entscheiden wir uns für das Hotel Eduardo VII, ein Drei-Sterne-Hotel mit 140 Betten im Stadtzentrum. Auf den Hotelbildern ist nur ein nichtssagender Hochhauskomplex zu sehen. Deshalb geben wir die Adresse des Hotels bei Google Street View ein. Virtuell stehen wir jetzt vor dem Hotel, in der Avenida Fontes Pereira de Melo. Im Internet sieht man gleich, was die Hotelbilder nicht gezeigt haben: Das Hotel liegt an einer sechsspurigen Straße. Wer ein Zimmer zur Straße bekommt, hat Pech.

HOTELBEWERTUNGSPORTAL

Jetzt haben wir einen ersten Eindruck von der Außenansicht des Hotels. Die Straße ist ein Minuspunkt. Aber wie ist das Hotel sonst zu bewerten? Auf der Seite des größten deutschsprachigen Bewertungsportals Holidaycheck.de geben wir den Namen unseres Hotels ein und finden 29 Bewertungen. Gleich die erste Bewertung bestätigt unsere Vermutung: „Wegen des Verkehrslärms konnte das Fenster nicht geöffnet bleiben.“ Oder noch kritischer: „Hier kann man vielleicht übernachten wenn man mit Kumpels auf Sauftour ist.“ Aber es gibt auch andere Stimmen: „Für eine Städtereise vollkommen ausreichend“; „die Lage ist super, man ist schnell in der Stadt.“

Claudius Moarefi von Holidaycheck.de räumt ein, dass die Internetbewertungsportale zwar immer subjektiv seien. „Aber man kann am Inhalt schnell erkennen, ob einem dieser Urlaubsort zusagt oder nicht“, gibt er zu bedenken. „Ein 30-jähriger Partytourist bewertet anders als ein 50-jähriger Familienvater“, sagt Moarefi. Aber wie sicher sind solche Seiten vor Manipulation? Immerhin kann auf Hotelbewertungsportalen jeder einen Kommentar schreiben. „Wir versuchen, Falschbewertungen durch automatische Checks herauszufiltern, das Programm achtet hier zum Beispiel auf Katalogsprache. Außerdem gibt es eine redaktionelle Prüfung“, berichtet Moarefi.

Trotzdem gelangen oft falsche Bewertungen in das Netz, warnt Falk Murko, Reiseexperte bei der Stiftung Warentest. Schätzungen zufolge sind zwischen zehn und 30 Prozent der Bewertungen nicht ehrlich. „Wenn ein Portal eine große Anzahl von aktuellen Bewertungen anbietet, kann sich der Nutzer leichter ein Bild davon machen, welche Bewertung möglicherweise nicht echt ist“, rät der Verbraucherschützer. „Wenn für ein Hotel allerdings nur sehr wenige Bewertungen vorliegen, muss man vorsichtig sein“, warnt der Test-Redakteur. Deshalb sei es besser, mehrere Bewertungsportale zu konsultieren.

Wir nehmen uns den Rat zu Herzen und wechseln zum Bewertungsportal Tripadvisor.de. Hier wurden 190 Bewertungen abgegeben. Die Kommentare sind sehr ähnlich. Wir sitzen jetzt schon vier Stunden vor dem Rechner. Eine Entscheidung ist aber immer noch nicht gefallen. „Die Reiseplanung im Internet nimmt viel Zeit in Anspruch. Wenn man sich im Internet unsicher fühlt, sollte man lieber in ein spezialisiertes Reisebüro gehen“, sagt Reiseexperte Murko.

REISEBÜRO

Martin Drasdo hört das gern. Er arbeitet in einem Reisebüro in der Karl-Marx-Straße: „Wir haben oft die gleichen Preise, kennen einige Hotels selber und haben einfach mehr Fachwissen“, wirbt er für die Buchung via Reisebüro. So würden einige Anbieter im Internet für das Umsteigen am Frankfurter Flughafen nur 45 Minuten einplanen. „Das ist kaum machbar“, weiß Drasdo. Er kalkuliert mit anderthalb Stunden. Viele Kunden wüssten auch nicht, dass die Billigflieger gern Flughäfen ansteuern, die bis zu zwei Stunden entfernt vom Stadtzentrum liegen.

Immer mehr Reisen werden heute im Internet gebucht. Das bekommen auch die Reisebüros zu spüren. „Die Leute kommen in den Laden und haben sich auf Hotelbewertungsportalseiten über die Hotels informiert“, berichtet Drasdo. Auch immer mehr Flüge würden über das Internet gekauft. „Trotzdem werden viele Reisen bei uns gebucht. Die Kunden fühlen sich eben gut beraten“, sagt der Mann vom Reisebüro. Wir haben uns gegen das Hotel Eduardo VII entschieden und suchen weiter. Vor uns liegt eines langen Tages Reise in die Nacht.

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