Rekord-Kauflaune : Konsumklimaindex so hoch wie nie

Der vom Marktforschungsinstitut GfK ermittelte Konsumklimaindex deutet auf ein weiteres Ansteigen der Kauflaune. Der private Verbrauch soll übers Jahr gerechnet trotzdem nur um 0,5 Prozent steigen.

Nürnberg/Berlin - Die deutschen Verbraucher sind bei großen Anschaffungen so kauflustig wie noch nie - Experten sehen dennoch nur ein «Konsum-Strohfeuer». Seit Einführung entsprechender Befragungen im Jahr 1980 war die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen noch nie so stark ausgeprägt wie in diesem Mai. Das berichtete das Marktforschungsinstitut GfK in seiner am Montag veröffentlichen Konsumklimastudie. Der monatlich ermittelte Konsumklimaindex stieg von 5,8 auf 6,8 Punkte. Er basiert auf der Befragung von 2000 Verbrauchern.

Experten sehen dagegen noch keine nachhaltige Wende; allenfalls könne man von einem privaten «Konsum-Strohfeuer» in der deutschen Wirtschaft sprechen, warnten die Fachleute. Auch nach Ansicht des Bundeswirtschaftsministerium dürfte sich eine grundlegende Wende der Verbraucherkonjunktur erst mit einer Wende am Arbeitsmarkt einstellen. Die kontinuierliche Aufhellung des Konsumklimas spreche aber «für eine Verbreiterung der konjunkturellen Auftriebskräfte».

Deutlich optimistischer zeigte sich hingegen die GfK selbst: «Mit dem Ende des langen Winters hat sich die Stimmung der Verbraucher deutlich aufgehellt. Es sieht so aus, als sei das Tief der letzten Jahre derzeit überwunden», betonen die Verfasser der Studie. Gründe für den steigenden Optimismus seien neben dem großen Vertrauen in die Regierung auch die aus Sicht der Arbeitnehmer positiven Tarifabschlüsse in der Metall- und Elektroindustrie. Zudem wollten vielen Verbrauchern größere Anschaffungen wegen der Mehrwertsteuererhöhung 2007 auf dieses Jahr vorziehen.

Trotz der steuerlich bedingten Vorzieheffekte und einer sich weiter aufhellenden Verbraucherstimmung sieht die GfK bislang aber keinen Anlass für eine Korrektur seiner Jahresprognose. Die Marktforscher rechnen nach Angaben des Leiters der GfK- Marktforschung, Rolf Bürkl, unverändert mit einem Wachstum des privaten Verbrauchs um 0,5 Prozent. In dieser Wachstumsrate sei bereits die verstärkte Kauflust als Folge der Mehrwertsteuererhöhung «eingepreist», betonte Bürkl.

Die Einkommenserwartung hatte sich als einziger der drei Indikatoren, aus denen das Konsumklima ermittelt wird, im Mai nur moderat entwickelt. Zwar kletterte der entsprechende Wert um 5,7 Punkte wieder über den langjährigen Mittelwert von Null auf 5,2 Punkte. Allerdings sei die positive Entwicklung ausschließlich den gestiegenen Einkommenserwartungen der Verbraucher in den alten Bundesländern zu verdanken, betonte die GfK.

Dagegen hat sich der Konjunktur-Optimismus weiter verstärkt. Unter dem Eindruck der nach oben korrigierten Wachstumsprognosen der Wirtschaftsweisen legte der entsprechende Indikator um 8,7 Punkte auf 30,9 Punkte zu. Im Vergleich zum Vorjahr bedeute dies ein Plus von gut 47 Punkten. «Sowohl die Bewohner der alten als auch die der neuen Bundesländer äußerten sich eindeutig positiver als im Vormonat. Am stärksten aber stieg im Mai die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen - und zwar um 15,3 auf 49,8 Punkte. «Das ist der höchste Wert, seit er erhoben wird», betonten die Verfasser der Studie.

Nach Erkenntnissen der GfK will jeder siebte Verbraucher wegen der für nächstes Jahr geplanten Mehrwertsteuererhöhung größere Anschaffungen vorziehen. Weitere 40 Prozent hätten sich hingegen noch nicht festgelegt, berichtete Bürkl. 47 Prozent betrachteten dagegen die Aussicht, drei Prozentpunkte Mehrwertsteuer zu sparen, nicht als ausreichenden Grund für das Vorziehen bestimmter Anschaffungen, berichtete der GfK-Manager.

Konjunkturexperten sehen unterdessen trotz der überraschend guten Kauflaune weiterhin keine entscheidenden Impulse für ein nachhaltiges Anspringen der deutschen Binnenwirtschaft. Trotz des aktuellen Stimmungshochs bei den Verbrauchern rechnet Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen nicht mit einer grundlegenden Richtungsänderung beim privaten Konsum. Der Chefvolkswirt der SEB-Bank, Klaus Schürfer, erwartet im Verlauf des Jahres sogar wieder ein Abflauen der Konsumlust. In den kommenden Monaten werde auch die Fußball- Weltmeisterschaft «nur einen kleinen Effekt auf das Konsumklima in Deutschland haben». (tso/dpa)

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