Rekordbörse in Japan : Anleger unterschätzen das Potenzial japanischer Aktien

Die Börse in Tokio klettert von Rekord zu Rekord. Investmentprofis und Analysten bleiben optimistisch: Japans Firmen sind besser als ihr Ruf.

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Wer Aktien kauft, legt sich Dax- Titel ins Depot – vielleicht auch noch US-Fonds oder Papiere europäischer Unternehmen. Risikofreudigere interessieren sich womöglich für China, Brasilien, Afrika oder Indien. Doch ein Land haben Anleger so gut wie gar nicht auf dem Schirm: Japan. Dabei ist das Land die drittgrößte Volkswirtschaft der Erde. Der führende Aktienindex Nikkei hat seit Januar dieses Jahres um gut 17 Prozent zugelegt und am Mittwoch ein neues Siebenjahreshoch erreicht.

Investmentprofis und Aktienanalysten sind optimistisch: „Die aktuelle Marktsituation ist vielversprechend, Japans Firmen sind deutlich besser als ihr Ruf“, sagt Ernst Glanzmann, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Swiss & Global Asset Management (ehemals Julius Bär). Japanische Aktien seien so tief bewertet wie selten zuvor – deutlich tiefer auch als amerikanische und europäische Papiere. Die Gewinne der Unternehmen seien deutlich stärker gewachsen als die Kurse.

Die Arbeitslosigkeit ist mit drei Prozent so niedrig wie in kaum einer anderen entwickelten Volkswirtschaft. Die Löhne steigen wieder leicht, der Export boomt. Denn japanische Firmen können dank des schwachen Yen ihre Waren billiger im Ausland anbieten oder aber davon profitieren, dass der Wert ihrer Einnahmen in Yen steigt. Beides treibt die Gewinne massiv nach oben.

JAPANS FALL UND AUFSTIEG

In der öffentlichen Wahrnehmung hingegen bleibt Japan oft noch das, was es lange war: Das Land der Deflation, des Stillstands, einer überalterten Bevölkerung und einer jahrzehntelangen Baisse an den Börsen. Der Blick zurück schürt Zweifel: Der Nikkei, der derzeit mit 17 200 Punkten so hoch steht wie zuletzt 2007, notierte vor einem Vierteljahrhundert schon mal bei etwa 39 000 Punkten – um von dort in jahrzehntelanger Baisse bis auf 7000 zu fallen. Vor zwei Jahren stand er immer noch bei nur 8700 Zählern.

Dann jedoch wurde Shinzo Abe zum zweiten Mal Premier und startete sein Konjunkturprogramm „Abenomics“. Er schüttete Milliarden in die Geld-Kreisläufe, drückte damit den Yen und befeuerte den Export. Die Maßnahmen wirkten zwar, die Deflation gehört der Vergangenheit an, doch die Inflation ist mit 1,3 Prozent noch nicht beim Zielwert von zwei Prozent angekommen. Gleichzeitig fiel die Wirtschaft nach einer Mehrwertsteuererhöhung im Frühsommer um satte sieben Prozent zurück. Die Menschen horten ihr Geld lieber, als es auszugeben.

DIE GELDPOLITIK

Vor zwei Wochen kündigte Abe deshalb die zweite Stufe seiner „Bazooka“ an: Die Notenbank wird nun künftig jedes Jahr umgerechnet 500 Milliarden Euro zusätzliches frisches Geld in die Märkte schütten. Zudem soll der Government Pension Investment Fund, der mit 1,3 Billionen Dollar größte Pensionsfonds der Erde, seine Anlagestrategie komplett ändern: Statt 24 gehen künftig 50 Prozent des Geldes in Aktien – davon soll die Hälfte in Japan bleiben. Das bedeutet: Etwa 330 Milliarden Dollar stehen vor der Umschichtung in Aktien.

Profitieren werden davon nicht nur japanische Papiere, sondern auch die Aktienmärkte in den USA, in Europa und in Schwellenländern. Umgekehrt wird die Notenbank weiter massiv Staatsanleihen kaufen, damit die Renditen senken und, so die Überlegung, auch private Anleger inspirieren, entweder negative Renditen zu akzeptieren oder von Anleihen in Aktien umzuschichten.

Derzeit halten japanische Anleger noch den weitaus meisten Teil ihres Geldes in heimischen Staatsanleihen, die aber bei zehn Jahren Laufzeit nur 0,8 Prozent abwerfen. „In jedem Fall werden die Mittelflüsse sehr hoch sein“, sagt Chris Iggo, Sprecher von Axa Investment Managers. Auch Analyst Jens Herdack von der Weberbank ist sicher, „dass die erneuten Stimuli den Aktienmarkt treiben werden“. Ein „taktisches Aktieninvestment“ in Japan sei deshalb sehr „aussichtsreich“.

Wer nicht weiß, ob Toyota, Mitsubishi, Canon, Takeda Pharmaceuticals oder auch Honda, Fuji, Kawasaki, Nikon, Nissan, Panasonic und Sony ein Investment lohnen, überlässt die Entscheidung lieber einem Fondsmanager – oder setzt passiv auf den gesamten Markt, etwa mit einem Indexpapier, das den Nikkei, den zweiten wichtigen Index Topix oder den MSCI Japan eins zu eins abbildet.

DAS RISIKO

Dass die Yen-Schwäche der Motor der Aktienhausse war, wird Euro-Anleger nicht freuen, denn sie müssen künftige Verluste des Yen beim Verkauf von den Kursgewinnen der Aktien und Fonds abziehen. So hätte ein Anleger, der vor zwei Jahren in Japan eingestiegen wäre, zwar mit dem Nikkei sein Geld in Yen verdoppelt. Würde er jedoch heute verkaufen und in Euro zurücktauschen, so fiele die Hälfte der schönen Gewinne dem schwachen Yen zum Opfer.

Allerdings sind auch Anlagevehikel auf dem Markt, die Währungsschwankungen ausschalten – was natürlich nicht umsonst möglich ist. Der i-Shares „MSCI Japan EUR monthly hedged“ etwa liegt auf Jahressicht 12,3 Prozent im Plus, fing damit gegen Gebühr den Yen-Rückfall von gut acht Prozent ab. Auch andere Anbieter wie UBS oder dbx-trackers haben passive Fonds im Angebot, die gegenüber dem Yen abgesichert werden.

Aktiv gemanagte Aktienfonds sind dagegen meist nicht vor weiteren Währungsschwankungen geschützt. Gleichwohl haben die besten unter ihnen in den vergangenen zwölf Monaten 14 bis 18 Prozent erwirtschaftet, etwa der Deutsche Nomura Japan Growth, der BL Equities Japan oder der Pictet Japanese Equity Opportunities. Alle sind in exportorientierten Werten wie Autoproduzenten oder Handelskonzernen übergewichtet und konnten damit von der Stärke der Exportwirtschaft besonders profitieren.

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